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Interviews

Zahlen sich Verbrechen aus? THUNDERHEAD im Interview zur "Crime Pays" Scheibe.

Privat (Thunderhead)

In Japan hingegen war „Crime Pays“ der Türöffner für uns.
Henny Wolter

Zahlen sich Verbrechen aus? THUNDERHEAD im Interview zur "Crime Pays" Scheibe.

Der damalige Rock Hard Chefredakteur Kühnemosch attestierte den Hannoveranern THUNDERHEAD 1991, die „beste deutsche Streetrock-Band“ zu sein, die mit ihrem dritten Album „Crime Pays“ zudem nun auch auf Platte an ihre Klasse auf der Bühne angeknüpft hätte. Bei damals fetten 9 Punkten sollte man denken, dass an dem Album kaum Verbesserungsbedarf bestünde. Doch am 5. September erscheint nun auch vom Drittwerk der Donnerköpfe eine „Refurbished“-Version aus der Hand von Schlagzeuger Alex Scotti. Gemeinsam mit Gitarrist Henny stellt sich dieser nun unse-ren Fragen.

„Busted At The Border“ (1Thunderhead Crime Pays990) hatte nicht den gewünschten Erfolg gebracht (Interview mit Alex und Henny), obwohl Touren mit namenhaften Bands folgten. Ein Grund war seinerzeit der Sound, der das Potential der Scheibe einfach nicht richtig rüberbrachte. In der Folge ergaben sich zudem Probleme beim und mit dem damaligen Label. Dennoch arbeitete das Quartett aus Hannover emsig an neuem Material, welches dann im Horus Sound in Hannover aufgenommen wurde. Das Resultat war „Crime Pays“.



Es war bekannt, dass ihr mit dem Sound von „Busted…“ nicht zufrieden wart. Was gab es aus eurer Sicht an „Crime Pays“ soundtechnisch zu verbessern?

Henny: Zumindest nichts, was die Soundqualität betrifft. Allerdings klingt die Produktion aus dem Anfang der 90er natürlich zeitgenössisch alt. Da hat Alex etwas Hand angelegt und der ganzen Pro-duktion eine leichte Entstaubungskur verpasst.
Alex: Ja, genau. Ich hatte die „Busted at the Border“ fertig und war sehr zufrieden mit dem Ergeb-nis. Dann wollte ich „Crime Pays“ neu mastern und habe mir gedacht: „Verdammt, die „Busted…“ klingt jetzt so gut, hier muss ich auch noch einmal dran.”

Wie bist du bei der Überarbeitung vorgegangen und welche Herausforderungen gab es bei der Bearbeitung? 

Henny: Den aufwändigen und produktionstechnischen Teil hat Alex alleine gemacht. Ich habe nur immer „Ja und Amen“ gesagt oder auch gemeckert, wenn mir was nicht gelungen erschien.
Die größte Herausforderung bei so einem alten Teil ist aus meiner Sicht, es nicht so zu verändern, dass es wie eine moderne Produktion klingt. Schließlich soll es den Charme der analogen Produkti-on behalten und den Spirit der 90er transportieren. Das aber bitte bei maximaler Soundausbeute, die man heute hörtechnisch als Standard empfindet.
Alex: Erst einmal mussten auch die Tapes digitalisiert werden. Das ist leichter gesagt als getan, weil durch die lange Lagerzeit die Bänder durch die Umwelteinflüsse wortwörtlich zusammenkleben. Die kommen dann in einen Ofen und werden “gebacken”. Gott sei Dank haben wir hier in der Nähe von Hannover den Kai mit seinem Echolane Studio, der sich sehr liebevoll der Sache angenommen hat. Das eigentliche Mischen war dann gar nicht mehr so wild. Ich habe versucht, den alten Charme zu behalten und trotzdem alles in eine etwas modernere Welt zu drücken, wobei ich bewusst nur Tools benutzt habe, die damals auch zur Verfügung gestanden hätten. Die Performance ist, wie bei der „Busted…“, unangetastet. 
Horus Tapes 02 small

Ihr habt zu verschiedenen Songs Videos bzw. Teaser hergestellt. Diese sind mit KI entstanden, da-bei ist doch gerade Henny als „analog-man“ bekannt. Wessen Idee war das? Wer hat die Videos mit welchem Programm hergestellt? Und wie waren die Reaktionen bisher?

Henny: Das hat Alex gemacht. Ich könnte sowas gar nicht.
Alex: Ja, das war ein Versuch meinerseits. Im normalen Leben bin ich ja seit vielen Jahren Film-Editor und Postproduction-Specialist. Das alte Material, welches wir zusammengetragen haben, hatte ich mehr oder weniger aufgebraucht und ich habe eine andere Möglichkeit gesucht, um das neu gemischte Album auf den einschlägigen Social-Media-Plattformen zu präsentieren. Was als Spielerei angefangen hat, ist dann aber so gut geworden, dass ich zu allen Stücken einen kleinen Teaser geschnitten habe. „Make it Hard“ hat so auch gleich ein ganzes Video bekommen. In diesen Filmchen steckt ganz schön viel Zeit drin, weil die KI macht, was sie will. Zu „Make it Hard“ habe ich bestimmt 1500 Bilder generieren lassen, bis ich in etwa hatte, was ich mir vorgestellt habe. Danach wurde alles mit KI animiert und mit einem Schnittprogramm in Form und Farbe gebracht, sodass ein Film draus wurde, der auch eine Geschichte erzählt. Bei den Tools habe ich so ziemlich alle bekann-ten Dienste benutzt. Alle haben ihre Stärken und Limitierungen. Das zu finden, was für den einzel-nen Fall funktioniert, ist schon eine Challenge.

Welche Erwartungen hattet ihr damals an das Album bzw. an die Reaktionen der Fans? Und inwie-fern wurden diese Erwartungen erfüllt?

Henny: Das Album hatte verkaufstechnisch eine schlechte und eine gute Resonanz. In Deutschland war es das letzte Album für unsere damalige Plattenfirma Intercord, die sich schon nach der „Busted at the Border“ überhaupt nicht mehr für uns interessierte und den Betrieb etwas später sogar einstellte.
In Japan hingegen war „Crime Pays“ der Türöffner für uns. Es war der Beginn unserer langjährigen Touraktivitäten dort und das hat uns aus finanzieller Sicht damals den Arsch gerettet.
Alex: Ich glaube, unsere Erwartungen waren schon recht hoch. Wir haben bei dem Album alles ge-geben, was wir konnten. Die Kritiken waren durchweg gut, wir haben mehrere Tourneen mit dem Album durch Deutschland, Europa und Japan gespielt. Das Album hat sich besser verkauft als „Busted…“, aber es hätte auch gerne etwas mehr sein können. Ein Highlight war sicherlich die erste Japan-Tour. Horus Henny Ole 01 small


Viele Fans haben nach den letzten beiden Wiederveröffentlichungen bereits physische Versionen gefordert. Gibt es in dieser Hinsicht Neuigkeiten?

Henny: Das ist immer noch in Arbeit. Wir haben uns, nach Verhandlungen mit einer Plattenfirma, dazu entschlossen, eigenständig in einer kleineren Auflage zu veröffentlichen, und die Platten dann in den Vertrieb zu geben.

Gibt es auch Neuigkeiten zum Thema „Live“-Comeback von THUNDERHEAD?

Henny: Nein. Da hat sich bisher nichts Neues getan.

„Killing With Style“ war der Nachfolger von „Crime Pays“ und ist damals bei G.U.N. erschienen. Gab es mittlerweile Reaktionen vom heutigen Rechteinhaber bzgl. einer Neuauflage des Albums?

Henny: Nein. Von denen gab es bisher nur die Reaktion, dass die „Killing…“, die Balladenplatte und „Where you told the truth“ schnell mal von einem Verlag zum anderen weiter verscheuert worden sind. Wohl in der Erwartung, dass es eventuell doch noch Kohle damit zu verdienen gibt. Wär ja schön, wenn sie damit recht behielten. ;)
Alex: Ich bin da gerade am Ball und versuche, Kontakte zu knüpfen, damit auch diese Alben wieder verfügbar werden.

Zum Abschluss: Welches sind eure Top 3 auf „Crime Pays“ und weshalb? Meine sind: 1) „Let the Dogs Loose“ 2) “City Cornered Man” 3) “Make It Hard”

Henny: Meine sind auch „City Cornered Man“, dann „Crime Pays“ selber und vielleicht „Forgive and forget“.
Alex: Puhhh, schwere Frage, ich mag sie alle!! „City Cornered Man“ und „Crime Pays“ sind auf je-den Fall ganz vorne mit dabei. Dann fällt es schwer, mich zu entscheiden. Ich nehme mal „Ain´t no Trust“. ;)

Fast 35 Jahre sind ins Land gezogen, doch „Crime Pays“ hat bis heute nichts von seiner Qualität eingebüßt – mit der Neuauflage finden die Songs nun endgültig ihren Weg ins 21. Jahrhundert. Ab dem 5. September findet ihr das Album auf den digitalen Plattformen.

(c) Pics Privat (Thunderhead)


Thunderhead - Make It Hard
 
Line Up
Ted Bullet lead vocals, guitar
Henny Wolter guitar, backing vocals
Ole Hempleman bass, abcking vocals
Alex Scotti drums
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