Es ist nun sieben Jahre her, dass Spock's Beard ihr letztes Album "Noise Floor" veröffentlichten. Mittlerweile rechnete ich fast gar nicht mehr mit einem neuen Longplayer der Wohlfühl Progger, zumal mehrere Mitglieder in anderen Bands wie Pattern Seeking Animals oder Soloprojekten gut beschäftigt waren. Doch nun stehen die Amis mit einem neuen Schlagzeuger und einem ihrer besten Alben vor der Tür, das auch auf einem neuen Label erscheint.
So lebhaft, farbenfroh und komplex klang die Band vielleicht auf dem Einstand von Sänger Ted Leonard "Brief Nocturnes and Dreamless". Oder auf der immer noch nicht übertroffenen Anfangsphase mit Neal Morse als Bandkopf. Die Idee von "The Archaeoptimist" stammt von Keyboarder Ryo Okumoto, der mit dem Co-Writer Michael Whiteman (I Am The Manic Whale) ein komplexes, energetisches Grundgerüst vorgab, welches durch das Mitwirken von Gitarrist Alan Morse und Ted Leonard als Songwriter vervollständigt wurde. So frisch klang die Band ewig nicht. Das liegt sicher auch am neuen Schlagzeuger Nick Potter, welcher als jüngstes Mitglied einen ordentlichen Punch vorlegt, dabei wahnsinnige Fills spielt und zusätzlich eine ganz hervorragende Singtimme hat. Wirkt der Opener "Invisible" sehr eingängig und lebhaft, fallen im Mittelteil diese wahnsinnigen Synthy und Keyboard Sounds auf, mit denen sich Ryo über das ganze Album ideenreich austobt. Dieser hat auch die Produktion des Albums übernommen und einen kraftvollen Sound mit großer Vielfalt, fetten Bässen und generell druckvollen Instrumenten geschaffen. Dave Meros liefert mit einem wansinnig guten Sound unglaubliche Bassläufe. "Electric Monk" steigert das Energielevel noch einmal und sorgt mit melodisch nicht erwarteten Wendungen für Glücksgefühle eines Proggies. Das anschließende "Afterthoughts" fußt natürlich auf "Thoughts" vom "Beware Of Darkness" Album und den weiteren Fortsetzungen auf kommenden und Neal Morse Soloalben. Obwohl dieser nicht direkt beteiligt ist, muss sich "Afterthoughts" vor nichts verstecken. Auch vorhanden sind gelungene Satzgesänge. Ein Aufleben bekannter Sounds sorgt für...ihr wisst schon. "St. Jerome in The Wilderness" bietet eine ähnlich Prog Spielwiese wie der "Electric Monk" und passt perfekt in den Mittelpunkt der Scheibe. Über 20 Minuten dauert das epische "The Archaeotimist", welches an keiner Stelle langweilt und im Mittelteil sogar tanzbare Disco Grooves anklingen lässt, dann wieder mit gekonnter Komplexität für Respekt sorgt. Der Albumcloser "The Next Step" (auch als"The Next Step Spock's Beard" gelistet) übertrifft (?!) oder ergänzt das Gehörte und lässt vielleicht an einigen Stellen Erinnerungen an "The Doorway" ("Beware Of Darkness") erklingen, geht aber im Aufbau noch einige Schritte weiter, verlässt alles Irdische und toppt das Album, welches dieser Band eine echte Frischzellenkur verpasst. Ganz klar eins der Prog Highlights 2025.
Erscheint auf CD, CD und DVD, sowie auf Doppel Vinyl (rot als auch schwarz) mit Gatefold Cover.
Spock's Beard sind im Februar 2026 in Deutschland unterwegs:
- 08.02.2026: Markneukirchen, Musikhalle
- 09.02.2026: Aschaffenburg, Colos-Saal
- 10.02.2026: Hamburg, Markthalle