Denn auch wenn es viele nicht wahrhaben wollen: Über eine längere Zeit Spur zu halten, ist viel schwieriger, als ständig über die Linien zu fahren. Deshalb die gute Nachricht. ADEPT bleiben sich, ihrer Linie und ihrem Genre in einzigartiger Weise treu. Denn da sind zum einen orkanartige, umbarmherzige Riffstürme, die sich immer wieder in groovig stotternder Weise entschleunigen. Zum anderen sind da aber auch die kraftvollen Gitarrenmelodien, die für eine ungeahnte Intensität und eine unvergleichliche Atmosphäre sorgen ('Wounds'). Hinzu kommen die eindrucksvollen und angenehm an die EMIL BULLS erinnernden klaren Vocals, die natürlich mit den obligatorischen Shouts kontrastiert werden.
Das Beste aber ist das Händchen für musikalische Details, so dass es in jedem Song etwas zu entdecken gibt und jeder Track so etwas ganz Besonderes ist. Nuancen sind eben Trumpf! Dazu tragen natürlich auch die ruhigeren Partien bei. Man höre nur 'The Choirs Of Absolution', ein ruhig beginnender Song, der dann richtig Fahrt aufnimmt und nicht nur aufgrund seiner klassischen, gerne auch groovigen Riffs und seiner einnehmenden gröligen Choralpartien zu überzeugen weiß, sondern auch wegen der festlichen weiblichen Choräle im Verein mit zusätzlicher Melodik. Ein Hammersong.
Genial sind auch die Stimmungschwankungen in 'Lights', die zwischen grimmiger Zornigkeit, einnehmender Beautiness und sehnsüchtiger Sphärik den Hörer einem Wechselbad der Gefühle aussetzt. Weltklasse. Ähnliches gilt für 'The Sickness', das passend zum Titel noch etwas an achterbahnmäßiger Dynamik aufnimmt. Überaus vielfältig, aber immer organisch kommt der Rausschmeißer und Titeltrack 'Sleepless' daher, ein gekonnt epischer Song, der programmatisch noch einmal das ganze Können der Band unter Beweis stellt.
Fazit: Die Schweden liefern mit „Sleepless“ einen genialen Longplayer ab, auf dem eben nicht krampfhaft versucht wird, den Metalcore bis zur Unkenntlichkeit weiterzuentwickeln. Im Gegenteil. Hier werden alle Stärken des Genres eindrucksvoll ausgereizt: orkanartige Brutalität trifft auf fette, groovige Riffs und das richtige Maß an melodischer Eingängigkeit, bei dem die klaren Vocals auch noch an die EMIL BULLS erinnern. Was will man also mehr?