Adora-Diana - Adora-Diana
Electro, Gothic und Avantgarde bilden also die Zutaten für das Grundgerüst des Liedguts Ihres ersten Albums, wie Sie es ja auch in optischer Form eindrucksvoll im kleinen CD Büchlein den potentiellen Käufern Ihrer selbstbetitelten Musik-Odyssee schmackhaft machen wollen. Soweit vermochten Sie es auch im Vorfeld mich neugierig zu machen. Liebe Adora-Diana, ist das ein Doppelname? Und wieso gönnen Sie sich den unüblichen Bindestrich dazwischen? Es ist der 29. Januar, die Uhr neigt sich gen 4 Uhr in der Früh und glauben Sie mir, wenn ich Ihnen sage, ich habe es mir nicht einfach gemacht. Mutig habe ich immer wieder versucht, die im Vorfeld so oft erwähnte künstlerische Fußnote in Ihrem Werk zu finden. Leider tue ich mich nach wie vor sehr schwer damit. Sie, sie sind verliebt in einen gewissen punkig trashigen Unterton. Sie sind es, die Disharmonien sprechen lässt, sei es in instrumentaler oder stimmlicher Hinsicht. Leider muss ich Ihnen mitteilen, dass ich es Ihnen nicht gleich tun werde. Ich, ich bin nicht verliebt in ihre „liebliche Stimme“, ich liebe es nicht, wenn Ihre Musiker dem Streichinstrument Geige „melancholische, tiefstraurige Töne“ entlocken. Ich, ich liebe es genauso wenig, wenn meine Ziehsöhne mit Kreide an der Tafel quietschen, mit Schmirgelpapier spielen oder wenn sich die kleinen, feinen Härchen, die auf dem Rücken, die die man nicht sieht, so winzig sind sie, dafür aber spürt, langsam aufrichten. Ihre Themen in den Liedern sind die meinen – die Gesellschaft. Sozialkritisch gehen Sie das Alltagsgeschehen an, natürlich nicht ohne am „Rande“ Ihr Innerstes nach außen zu kehren. Was ist das nur für eine Welt? Das Leben ist grausam. „Goodbye Cruel World“? Nicht doch, auch wenn ich Ihnen nachfühlen kann. Eins unterscheidet uns jedoch. Ich bin nicht stereotyp geartet wie Sie. Sei es drum. Zu Ihrer Berufswahl (Musik-/Gesangslehrerin) kann ich Ihnen wirklich nur herzlichst gratulieren. An dieser Stelle möchte ich mich auch bedanken… Bedanken möchte ich mich bei Ihnen im Namen des Fernsehsenders RTL und den Zuschauern des Sendeformats DSDS, wie man heutzutage so schick in Kurzform sagt, welches ich persönlich aus Interessens- und Geschmacksgründen nicht verfolge, aber über das mir viel, gerade im weiblichen Bekanntenkreis, berichtet wurde. So entlarven Sie sich letztendlich doch und geben Preis, dass ein großer Anteil der Bewerber der sogenannten Castings Ihrem Hause entsprungen ist. Mutig wie Sie mit der Veröffentlichung Ihrer ersten Kompositionen, mutig wie Sie, Sie, die die Künstlerwelt zum ersten Mal betreten haben, ja zumindest genauso mutig sind ihre unzähligen Zöglinge, die sich wacker und unermüdlich alljährlich wieder bei einem „sogenannten“ Casting vorführen lassen, in dem festen Wissen, es nächstes Jahr in den ersten „Recall“ zu schaffen. Doch Vorsicht. Die Künstlerwelt ist eine künstliche. „Gesundheit“ heißt eines ihrer Stücke. Ich wünsche Ihnen gute Besserung. Sie wollen in den „Recall“? Sie wollen in die nächste Runde? Sie bekommen Ihre zweite Chance. Aber bei aller Liebe… Bitte, bitte, bitte verwirklichen Sie sich auf einem anderen Gebiet als dem der Musik. Gerade kam mir der schon etwas ältere Titel „Ich will raus (Sehnsucht)“ von Purple Schulz in den Sinn, den ich jetzt nach dem Verstummen Ihrer Stimme im Kopf vor mich hinsumme. Das deutsche 80er Pop-Duo hätte es in ihrem Mega-Hit nicht treffender formulieren können. „Ich will raus“ erklingt es dort mehrmals, teils sehr nachdrücklich, ja geradezu panisch und schizoid. Gleiches muss sich Ihre CD gedacht haben, als Sie die 5 Minuten Marke in meinem Abspielgerät überschritten hat. Zugegeben, gleiches habe auch ich gedacht und habe kurzum den Raum verlassen bevor ich mit meinem Zeigefinger die Eject-Taste erreichen konnte. Jedenfalls nochmals: Gesundheit.
Herzlichst
Ihr F. J. W….. äh… M. Stoffregen