Adversus - Einer Nacht Gewesenes
Vorn stehend - Der lateinische Begriff "Adversus", welchen Mastermind Rosendorn für seine inzwischen auf ein Septett angewachsene Band auserkoren hat, lässt sich ebenso wenig leicht erfassen, wie die nicht minder vielseitig-kontroverse, widersprüchlichste Komponenten miteinander verbindende Musik. Nun, fast drei Jahre nach Veröffentlichung des Erstlingswerks "Winter, so unsagbar Winter", präsentieren die aus Frankfurt am Main stammenden Musiker einen zutiefst melodramatischen Opus, voller beängstigender Eindringlichkeit, Reife, sowie Entschlossenheit, in das vor dem Hintergrund einer begleitenden, melancholischen, in den Bann von Verlorenheit, Vergessenheit, als auch Hoffnungslosigkeit ziehenden Atmosphäre, mit jedem Takt mehr Leben eingehaucht wird... Martialische Percussions, romantisch-verträumte Melodien, kalte Electro Beats, vielschichtige Arrangements, bombastische Chorpassagen, akustische Reizüberflutungen, in einem zeitlos schwelgerisch-schwärmerisch, verspielt-melodisch, puristisch, klassisch, aber auch aggressiv, metallisch, sowie mittelalterlich gekleideten Klanggebilde, markieren den zweifelhaften Aufbruch, der durch stimmungsvoll übereinander gelegte Synthezier-Teppiche, Samples, Melodielinien, Tempowechsel und Breaks, als auch die gekonnt hinein verwobenen Rezitative, instrumentale Brücken, gezielte Disharmonien, Dudelsack- und vertrackte Orchesterpartituren eine treibende, aufrechterhaltende Spannung erhält. War beim Debüt die persönliche Entwicklung und Selbstfindung in einer durch den Jahreszeitenwechsel metaphorisch dargestellten seelischen Krise der thematische Schwerpunkt, widmet sich die Formation im neuen, dreiteilig vertonten Gedichtezyklus dem Wechselspiel zweier in eine Welt voller Zwänge und Schranken geworfener, den eigenen Gefühlen von Zuneigung, sowie Hass unterworfenen Seelen, deren Schicksal mit der ernüchternd-resultierenden Erkenntnis der bestehend bleibenden Verwehrung ihrer innigsten Verbundenheit, innerhalb einer einzigen Nacht vollzogen wird. Das Ticken einer stets im gesamten Verlauf des Albums immer wieder kehrenden Uhr, kündigt ihr unerbittliches, theatralisch-katastrophal entwickelndes Ende an. Aufgrund der elfenhaften Frauenstimmen, welche der klassisch ausgebildeten Mezzosopranistin Susanne und Sopranistin Manja zuzuordnen sind, und Rosendorns dahingegen kontrastierenden Giftzwerg-artigen, rau-sonoren, sakral flüsternden, sich teilweise förmlich die Seele aus dem Leib kreischenden Stimmeinlage, findet selbst der Gesang nicht nur seine Variabilität, sondern auch eine symbiotische energiereiche Vereinigung der Vergangenheit und Moderne, was insbesondere nicht zuletzt auf die Besinnung alter deutscher Dichtkunst, mit einer eigenständigen verbalen Ausdrucksweise, wie auch Reim und Vermaß, welches den 17 Songs ein besonderes Charisma verleiht, zurückzuführen ist. Abgerundet wird das mit einer schier unendlich erscheinenden Vielzahl an Details gespickten und durch seine sperrige Introvertiertheit immens künstlerisch anspruchsvoll bestechende Opus durch ein aufwendiges, von Rosendorn selbst gestaltetes 24 Seiten umfassendes Booklet, in dem zeitgenössische Collagen im Stil alter Ölgemälde jeden Song edel illustrieren. "Einer Nacht Gewesenes" ist ein modernes, schwarzromantisches und bitterböses, tief unter die Haut gehendes Märchen, welches zweifelfrei seinesgleichen sucht, den Hörer unablässig fordert und jenem höchste Konzentration zur vollständigen Entfaltung abverlangt!