Es ist immer wieder erstaunliche, welch hohes kreatives Potential so manches Ein-Mann-Projekt entfalten kann. ANOMALIE ist eines von ihnen. Die Grund für die Gründung im Jahre 2011 lag darin begründet, dass Marrok (SELBSTENTLEIBUNG, HARAKIRI FOR THE SKY) nach seinen Vorstellungen Elemente von emotionalem Black Metal, von Post Metal und depressivem Rock zu einem ehrlich-authentischen, tiefgründigen und unverwechselbaren Sound verweben wollte. Auf "Between the Light" kann das Ergebnis dieses Ansinnens nun bestaunt werden.
Denn dem Mastermind hinter ANOMALIE gelingt es, düstere, melancholische Soundlandschaften zu erschaffen, die durch ihre Atmosphäre, durch ihre feinsinnige Melodiosität und durch ihre Dynamik mehr als einnehmend sind.
Dabei wird genau das richtige Mischungsverhältnis zwischen rockigen und metallischen Anteilen gefunden, wie das energetische 'Tales of a dead city' bestens unter Beweis stellt. Zunächst akustisch-rockig daherkommend verwandelt sich der Track durch die typischen Black Metal Elemente in eine kraftvolle, düstere und melancholische Black Metal Hymne, wobei die weiblichen Vocals dann das Dilemma zwischen Hoffen und Bangen noch ins Unermessliche steigern.
Das, was ALCEST auf ihrem neuen Album ohne Metal geschaffen haben, das zelebriert Marrok eben mit post-black-metallischen Elementen. Dadurch ist das Debütalbum zu einem Soundtrack für all diejenigen geworden, die sich nicht scheuen, sich ihrem Weltschmerz und ihrer Melancholie hinzugeben. Vor diesem Hintergrund wäre es eigentlich nur folgerichtig, wenn ANOMALIE ihre fünf zwischen sechs und acht Minuten langen epischen Hymnen der Traurigkeit auch einmal auf dem Mer'a-Luna-Festival performen würden. Kann ja noch werden...
Als kleines Bonbon gibt es dann noch das NINE-INCH-NAILS-Cover 'Hurts', das das Original der massiv überschätzten NÄGEL weit hinter sich lässt, an die Version von JONNY CASH allerdings nicht heranreicht.