Komisch, dass ich mich gerade beim Hören der neuen AVENGED-SEVENFOLD-Scheibe daran erinnern muss. Aber schon nach den ersten Tönen werde ich in meiner bornierten Haltung bestärkt, dass Diversity und Vielfalt oftmals für den Allerwertesten ist.
Auf dem neuen Longplayer werden nämlich hemmungs- und kompromisslos alle möglichen Stile zusammengemischt: "Komme, was da wolle" oder "auf Teufel komm raus". In einem Moment wähnt man sich in den siebziger Jahre und vermeint Anspielungen auf LED ZEPPELIN und andere kontemporäre Uropa-Rock-Veteranen zu vernehmen, im nächsten Augenblick fühlt man sich in einzigartige Stimmung der Filmmusik des französischen Programmfilms der 80er-Jahre versetzt. Bisweilen schimmert ein bisschen RADIOHEAD und MUSE durch, denn das leidenschaftliche Leiden will ja auch gelernt sein, dann sind es wieder die Alternative Rocker von INCUBUS, die einen Impuls gegeben zu haben scheinen. Eine Prise Grunge darf natürlich auch nicht fehlen.
Immer wieder gibt man aber auch dem Thrash Metal etwas Gelegenheit, auf riffige, dynamische Härte zu machen. Aber immer dann, wenn man denkt, dass man es endlich mal mit einem guten Lied zu tun hat, wird der Eindruck durch süß-saure melodische Eingängigkeit zunichte gemacht. Hinzu kommt ein Faible für ungewöhnliche und experimentelle Songstrukturen, fast schon in psychedelischer Manier, die auch nicht jeder, selbst mit Winterbock in der Blutbahn, ohne Weiteres zu ertragen vermag.
Fazit: Wer auf eine Hardcore-Mischung ohne Tabus aus dem Ur-Opa-Rock der 70er, aus der französischen Programmkinomusik der 80er, aus dem Alternative Rock a la RADIOHEAD und INCUBUS sowie dem Grunge der 90er, aus Thrash, Classic und Schlager Metal und vieler anderer unkonventioneller Genres steht, der ist hier wirklich an der richtigen Adresse. Für mich ist die Musik zu verkopft, zu intellektuell und wahrscheinlich einfach zu anspruchsvoll. Mein Fehler!Und wenn schon Hardcore, dann Tabu, um mal einen Redaktionskollegen zu zitieren.