Billy Idol - Kings And Queens Of The Underground
Das Erfolgsgeheimnis: die Verquickung von schnodderiger Punk-Attitüde mit dem Pop- und Rock-Mainstream. Und genau dieses Geheimrezept soll auch das neue Album "Kings And Queens Of The Underground' zur größten Platte seiner Karriere machen. Jetzt haben sich die Zeiten aber geändert: Helmut Kohl ist nicht mehr Kanzler, die Mauer gefallen, die Bravo nicht mehr Zentralorgan der Jugend und die Republik regt sich auch nicht mehr auf, wenn eine Bundesliga-Mannschaft mit Kondomwerbung auf den Trikots in die Stadien einläuft.
Und das ist wohl auch der Grund, warum BILLY IDOL gar nicht erst versucht, seine Fahne in den Wind zu halten. Das Album atmet unverkennbar den Geist der 80er Jahre, doch die Songs kommen insgesamt nachdenklicher, gereifter und mitunter ruhiger daher. Bisweilen bricht aber auch der alte Biss wieder durch ('One Breath Away', Whiskey And Pills'). Mit 'Postcards From The Past' haben wir dann ein Lied, das bezeichnender Weise aus seiner früheren Schaffensperiode stammen könnte, wenn die besonders scharfen Ecken und Kanten nicht durch MEAT-LOAFige Harmonien abgerundet werden würden.
Das ist vielleicht der schwerste Vorwurf, den man dem Album machen kann: diese melodiöse Harmoniesucht, die mitunter zu zuckrig, candy und catchy daherkommt. Aber vielleicht ist das auch der verklärenden Retrospektive auf die Vergangenheit geschuldet, denn biographische Anspielungen gibt es einige, nicht nur in dem titelgebendem Track. Und so bricht sich immer wieder eine gehörige Portion Melancholie Bahn, mitunter in FRANKIE GOES TO HOLLYWOODscher Manier. Gleiches gilt für 'Nothing To Fear', ein Track, der seine anfängliche Beliebigkeit nach mehrmaligem Hören schnell ablegt. Unverkennbare Reminiszenzen auf U2, als die Iren noch gut waren, finden sich zudem in der optimistischen Hymne 'Love And Glory'.
Fazit: Ähnlich wie U2 scheint auch BILLY IDOL die rückschauende Melancholie übermannt und die jugendliche Biestigkeit abgelegt zu haben. Aber für ein Comeback-Album, das die Lücke zwischen dem früheren Schaffen und dem Neuanfang (eines möglichen relevanten Alterswerk) zu schließen vermag, kann es sich durchaus sehen lassen. Für die Freunde der 80er Jahre oder diejenigen, die damals musikalisch sozialisiert wurden, eine empfehlenswerte Anschaffung.