Canker – Physical
20 Jahre nach dem ursprünglichen Erscheinungstermin haben Colin Richardson und Tomas Skogsberg dem Debüt des Fünfers eine neue Politur verpasst und nun erwartet den geneigten Hörer ein wirklich grandioses Death Metal Album der alten Schule. Gesanglich fühlt man sich mitunter an das wütende Kläffen eines Marc Grewe (MORGOTH) oder Johnny Hedlund (UNLEASHED) erinnert. Musikalisch versucht man nicht Geschwindigkeitsrekorde zu brechen, sondern setzt lieber auf Druck und kraftvolle Riffs. Insofern werden auch Erinnerungen an DEVASTATION auf „Idolatry“ wach. Allerdings braucht auch kein Death Metal Fan zu befürchten, dass hier nur im Nahverkehrstempo gehackt wird, denn Songs wie „Obliteration“ gehen durchaus mit einem gewissen Tempo zu Werke. Ich persönlich stehe aber mehr auf Midtempo-Dampfwalzen wie „Big Shit“ oder abwechslungsreiche Songs wie „Torture“ und „Inquisition“. In den 90ern gingen viele dieser technischen Death Metal Kapellen leider unter, vor allem als Mitte des Jahrzehnts plötzlich Grunge und Alternativ die Plattenteller in Beschlag nahm.
Als Geschenk an die Fans wurde dem Debüt noch eine Bonus-CD mit alten Demoaufnahmen beigelegt. Wie immer ließe sich über Sinn und Zweck dieser Bonussongs streiten, denn natürlich sind Sound und Arrangement dieser Versionen nicht mit den Albumtiteln vergleichbar, so dass ich lieber beim Debüt verweile. Wer es aber richtig roh und ursprünglich mag, der dürfte sich auch über die elf kostenlosen Beigaben freuen.
Mit CANKER erwecken Xtreme Music ein Relikt der 90er Jahre zu neuem Leben, welches in jede Death Metal Sammlung gehört. zwar überzeugen die Spanier nicht unbedingt mit Originalität, dafür aber mit Brutalität und Härte und darum geht es ja beim Death Metal. Was beim ständigen Erneuerungswahn herauskommt, zeigen uns ja die unüberschaubaren Core-Auswüchse der letzten Jahre. Und wäre ich gestern beim Spanier lieber beim Steak geblieben anstatt mich den hippen Appetithäppchen hinzugeben, wäre ich wohl erstens günstiger und zweitens gesünder davongekommen. Und genauso verhält es sich bei CANKER: Man will Death Metal hören und man bekommt hörenswerten Death Metal geboten. So soll es doch sein.