Dass Wiedervereinigungen eine gute Sache sind, das haben wir ja am 03.10.1990 gesehen. Gleiches gilt natürlich auch für Bands, die beschlossen haben, getrennte Wege zu gehen, dann aber wieder zueinander finden. Und so ist das neue CHIODOS-Album "Devil" das Ergebnis einer neuerlichen Liaison. Denn Sänger Craig Owens und Schlagzeuger Derrick Frost standen wieder mit den anderen Bandmitgliedern Bradley Bell, Pat McManaman und Matt Goddard im Studio, verstärkt durch Thomas Erak (FALL OF TROY) an der Lead Gitarre. Doch nicht alles zurück auf los.
Der Albumtitel "Devil" symbolisiert unter anderem auch vor diesem Hintergrund den täglichen Kampf mit allen möglichen Widrigkeiten des Lebens, symbolisiert durch den Teufel, der einen täglich auf das Neue in Versuchung führen will (natürlich nicht in religiöser Hinsicht gemeint).
Dennoch kann man getrost konstatieren, dass CHIODOS gerade einen zweiten Frühling durchleben. Denn der ganze Longplayer atmet den Geist harmonischer Melodik. Harmonie ist hier nicht Strategie, sondern gelebte Realität. Und so haben die sechs Mannen wirklich pittoreske, eingängige, emotionale Alternative-Rock-Hymnen geschrieben, die einen sofort gefangen nehmen und in ihren Bann ziehen, aber mitunter auch immer eine melancholische Seite offenbaren. Man höre nur das kraftvolle ' Ole Fishlips Is Dead Now', das leichtfüßig-optimistische '3 AM' oder das powerpoppige 'Under Your Halo'. Dabei singt sich der alte neue Mann am Mikro seine ganze Seele hingebungsvoll, oftmals authentisch leidend und somit überzeugend aus dem Hals. Ein echter Wiedergewinn für die Band!
Daneben frönen die US-Amerikaner aber auch dem Metalcore der leichteren Gangart wie in dem grandios heftigen 'Behvis Bullock' oder in dem 'Expensive Conversations In Cheap Motels', das wie eine gelungene Mischung aus MUSE und BRING ME THE HORIZON klingt. Kein Wunder, wurde das Album doch von David Bottrill (TOOL, MUSE, STONE SOUR) produziert und von Josh Wilbur gemischt.
Kurz: Der Longplayer "Devil" ist eine überaus gelungener Neuanfang, der nicht nur durch seine wiedergewonnene Spielfreude, Kreativität und Dynamik, sondern auch durch seine emotionale Tiefe überzeugen kann...