Und so viel kann vorweggenommen werden. Mit jedem Song mehr wird der zweite Longplayer der 2013 gegründeten spanischen Band DEPRIVE (nicht zu verwechseln mit der gleichnamigen schwedischen Band) zur Entdeckung dieses Jahres. Wobei Band im geläufigen Sinne nicht so richtig zutrifft, verbirgt sich hinter DEPRIVE doch als einziges Mitglied Erun Dagoth, dessen Bandzugehörigkeiten fast schon Legende sind.
Die Songs auf "Temple Of The Lost Wisdom" überzeugen zum einen durch ihre eindrucksvolle brutale Riffigkeit, deren Tempi immer wieder variiert werden, zumeist auch innerhalb der einzelnen Tracks, so dass Eintönigkeit überhaupt nicht aufkommen kann. Bestes Beispiel dafür ist der Titeltrack 'Temple Of The Lost Wisdom', der zunächst mit BLOODBATHscher Düsternis beginnt, gekonnt an Geschwindigkeit gewinnt, dann den Hauch MY-DYING-BRIDEscher entschleunigter Intensität atmet und mitunter in eine stakkatohaften Höllenfahrt übergeht. Da möchte man dann kein Drummer sein.
Zum anderen vermag es Mastermind Erun Dagoth aber auch, seine Vocals vielschichtig zu variieren, und zwar vom düsteren Gegrowle bis hin zur knarzenden Stimmfärbung eines wieder unklar singenden NICK HOLMES ('A Desperate Praise'). Darüber hinaus verbreiten die phasenweisen Ausflüge in die doomigen Gefilde schön schaurige Gefühle höllischer Infernalität ('Incarnation Of The Macabre'). Dagegen bricht sich die oldschoolige düstere Melancholie der frühen 90er Jahre immer wieder Bahn, aber nicht in jedem Song. Beispiele dafür sind der Opener 'Other Earth', der bisweilen in brutaler VALLENFYRE-Attitüde daherkommt. sowie unverkennbar 'A Mournful Prophecy'. Gleiches gilt für 'Vortex Of Repulsion' und 'Doomed Tears Of Humanity'.
Fazit: Auf seinem zweiten Longplayer "Temple Of The Lost Wisdom" vermag es der spanische Multiinstrumentalist Erun Dagoth mit seiner Band DEPRIVE gekonnt, dynamische todesmetallische Brutalität und düstere doomige Infernalität miteinander zu verbinden und somit eine Mischung zu kreieren, die durch ihre Ambivalenz dynamische Frische und herrliche Oldschooligkeit zugleich verbreitet. In etwa so, als würden PARADISE LOST und MY DYING BRIDE auf BLOODBATH oder VALLENFYRE treffen. Überzeugender Deathdoom!