Descend - Wither
Das neue Jahr könnte nicht besser starten. Denn die schwedischen Death Metaller von DESCEND machen uns mit ihrem zweiten Longplayer "Wither" das Dasein in diesen Zeiten um einiges erträglicher, auch wenn die jahreszeitliche Dunkelheit durch den Sound nicht erhellt wird.
Die Schweden düstern schon seit über zehn Jahren durch Europa herum, das Debütalbum "Through The Eyes Of The Burdened" kam aber erst im Jahre 2011 heraus und wurde von der Kritik und dem Live-Publikum auf verschiedensten Festivals durchaus wohlwollend aufgenommen.
Das Markenzeichen von DESCEND ist ein progressiver Death Metal, der neben dem obligatorischen Riffing und dem tiefen Growling besonderes Augenmerk auf dazu passende melodische Harmonien und akustischen Passagen setzt. Gerade Ungewöhnliches wie das drummige Ende von 'The Rancorous Paradigm' sorgen dabei für eine ungemeine Variabilität der Songs. Eingängige Harmonien im Verein mit brutaler riffiger Härte bei einem hohen Tempo verleihen den Songs Tiefe, PARADISE-LOST-artige klare Vocals sowie ruhige akustische Gitarrenparts lassen einen Hauch warmer Melancholie aufkommen, die dann aber im nächsten Moment von einem orkanartigen Gitarrensturm hinweggefegt wird ('In Hours Of Dispair').
In Mode scheint in letzter Zeit gekommen zu sein, das Album nach einem ruhigen instrumentalen Track zu benennen. So auch hier: akustisches Gitarren-Gedengel mit einem entfernt an SANTANA erinnernden Leadgitarrenpart. Na, ja.
Nach der Zwangsruhepause geht es aber mit 'Diabolic' auf hohem Niveau weiter: ein Song mit allerlei experimentellen Facetten und kraftvollen brutal-groovigen Riffs im Mittelpunkt, der sich in seinen acht Minuten nach und nach entwickelt. Dass 'From Grace To Grave' in Phasen fast schon melodisch black-metallisch daherkommt, zeigt das kreative Potential von DESCEND. Mitunter gemahnen aber die Songstrukturen auch an gute alte CURE-Songs, in denen die ersten Minuten zunächst einmal gar nicht gesungen wird, so dass entweder gekonnt ein musikalischer Spannungsbogen aufgebaut wird oder man sich die Frage stellt, ob es sich um ein Instrumentalstück handelt. Wenn das passiert, hätte man an den progressiven Elementen vielleicht doch etwas sparen sollen ('Sundown').
Kurz: DESCEND reichern auf ihrem zweiten Longplayer "Wither" klassischen Death Metal mit einer zumeist wohldosierten Portion progressiver Elementen an und hauchen damit dem Genre frischen Wind ein, ohne selbiges über Gebühr zu strapazieren. Manchmal ist aber gerade das akustische Gedengel etwas zu viel des Guten.