Dornenreich - Freiheit
Ich bin aus mir.
"Freiheit" hat lange auf sich warten lassen. Und der Umstand, dass es vorerst das letzte Studioalbum sei, schürte noch mehr die Vorfreude auf den Silberling.Nun liegt er mir hier vor und rotiert bereits diverse Male. Es braucht lange, um sich mit dem Werk auseinander zu setzen, und es ist nicht einfach. Es ist keine Musik für nebenbei. Das Werk braucht und fordert die volle Konzentration. Im Gegenzug hat es bei mir nach vielen Rotationen gezündet...
Es ist wie eine Retrospektive auf das Schaffen der Herren Eviga, Inve und Gilván. Same Same but different. Die Vergangenheit mit eingezogen und unter neuen Strukturen verbessert. So in etwa lässt sich wohl nur schwach beschreiben, womit "Freiheit" aufwarten kann.
"Im ersten aller Spiele", "Von Kraft und Wunsch und jungen Federn" sowie "Des Meeres Atmen" eröffnen als reine Akustikstücke mit einer Symbiose aus Gitarre und Violine. Kombiniert mit Evigas einzigartigem Gesang bildet sich so ein Klangteppich, der mit jeder einzelnen Faser den Hörer umschlingen und verweben möchte.
"Von Kraft und Wunsch und jungen Federn" versinnbildlicht gerade zu eine tanzende Feder im Wind: mal ruhig gleitend, mal aufbrausend impulsiv tanzend. Und immer wieder den Fokus auf sich lenkend, nie langweilig wirkend. Fortgesetzt wird diese Verbildlichung bei "Des Meeres Atmen". Wie die schäumende Gischt peitscht das Lied einem um die Ohren. Mal ruhig bedächtig, dann wieder kraftvoll impulsiv. "Das Licht vertraut der Nacht" war ja bereits als erster Titel im Vorfeld auf einem Sampler zu hören. Mit Einsetzen der ersten Takte bekommt der Hörer einen radikalen Bruch um die Ohren. Dornenreichen zeigen ihre metallische Seite auf und walzen drauf los, als ob es kein morgen gäbe. Es gleicht einem aufbrausendem Vulkan der langsam aber sicher auszubrechen droht. Durchzogen von kurzen, ruhigen Takten besticht der Titel zweifelsohne mit einer immanenten Brachilaität.
"Aus Mut gewirkt" kann an diese Atmosphäre nicht sauber anschließen. Dennoch zeigt sich hier, dass es sich um einen typischen Dornenreich Titel handelt. Ich weiss nicht wieviel Synonyme schon geschaffen worden, Avantgarde oder ähnliche... Jedenfalls werden hie die verschiedensten Stilistiken kunstvoll miteinander verwoben und bilden ein einheitliches Ganzes. Metal, Folklore, Groove, Flamenco, Klassik... Mit "Im Fluss der Flammen" hätte ich gerne eine Fortsetzung der Brachialität gehört. Stattdessen folgt ein erneuter Bruch und es kehren wieder Akustikgitarre und Geige zurück. Wie ein tiefes Durchatmen. "Traumestraum" nimmt wieder etwas mehr Geschwindigkeit auf, das Schlagzeug setzt punktuelle Akzent und die Tonalität wird wieder rauher. Leider schon das vorletzte Stück auf der Scheibe. "Blume der Stille" schließt das Werk ab und kommt als reines Instrumental daher. Bedächtig, trauernd, leise, nachdenklich. Oder aber zum Abschied winkend, verträumt. Die Interpretation liegt beim Hörer selbst.
Mit Freiheit legen DORNENREICH mal wieder ein Silberling vor, der zu Kontroversen führt, unterschiedlich diskutiert wird, und in zwei Lager spaltet. Manche mögen ihn abgöttisch und manche kommen mit ihm einfach nicht zurecht.
In meinen Augen ist "Freiheit" ein absolut gelungenes Werk, was nicht nur die Historie zusammenfasst, sondern unter einer permanenten Entwicklung die Erfahrung vorangegangener Werke repräsentiert.
Ich wünsche mir DORNENREICH mit den Akustikstücken definitiv in die Kirchen Bochums und Berlin, um die volle Kraft der Stücke unter einer fantastischen Kulisse entfesseln zu können.