Gallhammer - The Dawn of...
Wer eine Anzahl von Rehearsal-Tapes und Bootleg-Livemitschnitten nimmt und sie auf CD und DVD pressen lässt, schielt nicht nach einem Mainstream-Publikum, sondern will Nerds, die, wider jede Vernunft, von dieser Musik ebenso zu begeistern sind. Als Einstimmung auf das in diesem Jahr erscheinende Debütalbum gibt das edle Digipack zukünftigen Konsumenten beinahe zu viele Informationen an die Hand. Eine zwölf Stücke umfassende CD und eine sechs Konzerte kompilierende DVD lassen wenige Details aus der kurzen Vergangenheit der Band (gegründet 2003) im Nebulösen. Der rohe Sound verfolgt in dieser Hinsicht eine andere Strategie; man darf davon ausgehen, dass wenig an den Proberaumaufnahmen modifiziert worden ist, um sie dem Hörer leicht goutierbarer zu machen. Das undifferenzierte Klangbild wirkt dabei indes als Kitt für die verschiedenen Einflüsse Gallhammers. Wie nahe sich Black Metal, Trance und Drone-Doom im Grunde sind, kann man hier vortrefflich nachhören. Dass diese Stile aber kaum mehr die Spitze des Eisberges darstellen, wenn man eine Musik anvisiert, die vor allem eins, vor allem extrem sein soll, wird einsehen, wer sich anschaut, in welchen Medien Black Metal, Trance und eben der von Gruppen wie Sunn o))) initiierte Sound inzwischen angekommen sind. Manische, eher schrille und hohe, als tiefe und gurgelnde Grindcore-Vocals und konsequente Monotonie klingen da allemal herausfordernder. Schaut man sich dann an, mit welcher Intensität Gallhammer – muss man explizit darauf hinweisen, dass dieser Name den noch immer vom Hauch des Legendären umwehten Hellhammer Tribut zollt? – das alles live zusammenführen und zelebrieren, kann einem schon angst und bange werden. Wenig Bewegung ist auch für das Stageacting als tragfähige Devise ausgegeben; die Gesichter aber – das dezente Corpsepaint passt durchaus gut – drücken abwechselnd Apathie, Panik und Wahnsinn aus und rücken Gallhammer in die Nähe von solchen Besessenen wie Today Is the Day, die in Sachen Intensität freilich weiterhin alleine auf weiter Flur stehen. Die Songstruktur nutzt sich denn auch zu schnell ab, als dass sie für länger als einen kurzen aber heftigen Schock-Moment an Gallhammer binden könnte. Zugute kommt ihnen immerhin, dass sie ihre Songs nicht ins Epische ausdehnen. Anstelle der Langstrecke sollten die Japaner sich überhaupt als Sprinter erproben und auf EP- und Split-CD-Veröffentlichungen setzen. Bleibt die schon anfangs erwähnte Tatsache, dass es selbst in diesem Fall für ein Konglomerat aus Black Metal, Grind-, Crust- und Sludgecore, aus Doom Metal und der atmosphärischen Dichte des Trance keine Käufer gibt und man Musik diesen Kalibers am besten auf einem Konzert erfährt, anstatt sie daheim bloß zu hören.