Gloomball - The Quiet Monster
Umso gespannter war ich auf den Nachfolger, da der zweite Longplayer ja immer der schwerste sein soll. Doch so richtig zünden wollten die ersten beiden Songs bei mir nicht, obwohl man ihnen kein Vorwurf machen kann, handelt es sich doch um solide, wuchtige Hardrocknummern mit typischer Südstaatenattitüde. Erst die düstere Melancholie in 'All Beauty Dies' zog mich mit ihrer PARADISE-LOST'schen Intensität in ihren Bann. Gleiches gilt für 'Towards The Sun', das durch seine hammermäßigen Riffs und seine nachdenkliche Dynamik im Stile von RISE AGAINST mehr als zu überzeugen weiß.
Vor musikalischer Vielseitigkeit strotzt dann 'Sirens', eine veritable Mischung aus klassischer, treibender Metalität und alternative-rockiger Sehnsucht. Ähnlich schmachtend, aber zugleich leidenschaftlich griffig kommt 'One More Day' daher, eine Rockhymne par excellence, die es verdient hat, im Radio rauf und runter gespielt zu werden. Steht bei 'Sullen Eyes' monolithische Härte im Vordergrund, bei der es ungefiltert und kantig richtig etwas auf die Ohren gibt, so kann '(Don’t) Surrender' durch seine rockige Eingängigkeit punkten.
Etwas beliebig trotz seiner furiosen Soli gibt sich 'Unbreakable', ehe 'Blood Red World' unter Beweis stellt, dass auch harter Rock auch ohne üble Ausflüge unpassende Genres einen ungeahnten kreativen Output haben kann. Von dieser Kreativität zeugt dann auch der Rausschmeißer 'Blue Is Turning Into Gray', ein Alternative Track, der mit einer intensiven Nachdenklichkeit und tiefen Melancholie aufwatet und ganz ohne krachige Härte auskommt.
Fazit: Anders als das Erstlingswerk "The Distance" haut einen "The Quiet Monster" nicht sofort vollkommen um. Vielmehr kommt das Monster, wie der Albumtitel suggeriert, auf leisen Sohlen angeschlichen, um einen umso stärker zu erschrecken. Dementsprechend entfaltet der Longplayer sein ungemeines Potenzial und seine ungeahnte Vielseitigkeit nach und nach sowie mit jedem Hören ein bisschen mehr. Aber gerade dadurch hat er das Zeug, unsterblich zu werden!