Dass einem bei diesem Sound Assoziationen einer wandernden Seele in den Sinn kommen, die wie in den Vorstellungen der alten Ägypter zunächst im Westen, wo die Sonne untergeht, das Totengericht zu bestehen hat, dann nach einem positiven Urteil während des Tages in den toten Körper zurückkehrt, wohingegen sie in der Nacht auf der Barke des Re die Unterwelt durchquert, ist nicht zufällig. Denn auch der Zuhörer soll in die Sphären des Träumens, des Phantasierens, der trügerischen Schönheit entführt werden, die sich im nächsten Moment als düsterer Albtraum, Chaos und innere Leere entpuppen.
Und genau dieser Gegensatz, der alltägliche Kampf von Licht und Schatten, die Nachbarschaft von Wohl und Wehe manifestiert sich auch im Sound von GRIMORE. Da treffen dann stakkatoartige Drums, schwirrende Gitarren und düstere, tiefe Growls in typisch schwarzmetallischer Manier auf unheimlich hypnotische, melancholische und wehmütige Melodien, die zugleich äußerst himmlisch daherkommen und das Gefühl einer schieren Unendlichkeit verbreiten. So ohne metallische Härte zu finden in 'Cantilène céleste'. Heftiger, bombastischer und barocker dagegen in den drei anderen Songs. Und so strotzt der Opener 'Tragédie des ombres' größtenteils nur so von infernaler klagender Düsternis, wohingegen bei 'Les rumeurs des astres' die explosiven Kontraste eine ungemeine diabolische Spannung aufbauen, während in 'Cachot de cristal' neben teuflischer Dramatik auch doomige Entschleunigung das Regiment übernimmt.
Kurz: GRIMOIRE zeigen auf ihrer EP "L'aorasie des spectres rêveurs", dass die melodische Black-Metal-Szene auch in Zukunft mit ihnen zu rechnen hat. Denn die Mischung aus infernaler düsterer Härte und aus sphärischer, melancholischer Wehmut ist sehr hypnotisch und alle progressiven, sensibleren, feineren Metal-Geister ein absolutes Muss!
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