Hard Riot – The Blackened Heart
Während das 2012er Debüt „Living on the fast lane“ noch durch eine Mischung aus AIRBOURNE und TYKETTO dominiert wurde und beim Gitarrensound mitunter etwas dünn wirkte, donnert der Opener „Blackout“ sofort wie eine Dampflock aus den Boxen. Eins wird sofort klar, den Sound haben die Heilbronner einer lohnenswerten Vitalkur unterzogen und die Gitarren braten wie ein zerbrochenes Straußenei in der Wüste. Man fühlt sich fast an die Schweizer von SHAKRA erinnert. Doch Sound alleine macht ja noch kein gutes Album. Doch gerade in dieser Hinsicht kann ich die zahlreichen Zauderer im elektronischen Blätterwalt nicht verstehen: Sowohl „Blackout“ als auch „Suicide Blues“ sind zeitgemäße, spritzige Hardrocker mit richtig gelungenen Melodien, die durchaus Ohrwurmcharakter haben. Klar, das Grundriff in „Suicide Blues“ ist nicht neu, aber davon wird doch der Song nicht schlechter – bei dem Powerplay der Band hätte sich die britische Bulldogge letzte Nach durchaus mal ne Scheibe abschneiden können. Und was Genöle über fehlende Innovation soll, erschließt sich mir nun wirklich nicht, da kann ich nur vermuten, dass die Kollegen die Scheibe nicht richtig gehört haben. „Devils BBQ“ verbindet soldie Hard Rock Riffs mit Countryelementen (Fiddel und Banjo) und überzeugt abermals mit einer guten Melodie. Letzteres gilt auch für „The End“, allerdings präsentiert sich der Song deutlich moderner und Sänger Michael Gildner greift Elemente moderner Rockbands wie NICKELBACK auf, verliert seine Wurzeln jedoch nicht aus den Augen. Einziges Manko aus Sicht des Anglisten: Kein „will“ oder „Would“ in if-clauses! Dem erdigen Sound von „The End“ stellen die Jungs dann später mit „The Enemy Within“ wieder eine etwas trockenere Riffattacke australischer Prägung gegenüber. Also für genügend Abwechslung wird meiner Meinung nach gesorgt. Die Ballade „The Last Goodbye“ lädt natürlich schon wegen des Namens zum Vergleich mit der genialen Power Ballade gleichen Namens von DIRTY LOOKS ein. Im direkten Vergleich ist der Titel von HARD RIOT zwar etwas schwächer (alles andere wäre aber auch eine Sensation gewesen), doch für sich genommen ist auch dieser Song eine wirklich starke Komposition, die verträumt und doch kernig daher kommt. Zur Abwechslung wurden neben den klassischen Instrumenten noch Bongos und die Geige eingesetzt und Michael Gildner schnurrt wie eine Katze. Doch nur, um mit dem harten „High Society Bitch“ gleich wieder voll durchzustarten. Und hier haben wir wieder einen Song fürs amerikanische Rockradio und Freunde von NICKELBACK, SEETHER oder härteren DAUGHTRY werden hier Gefallen finden. Das schnelle „Hit the Ground“ kann zwar nicht so einen eingängigen Refrain aufweisen wie etwa „Blackout“ oder „Suicide Blues“, ist aber trotzdem ein vollkommen gutklassiger Song. Es führt wirklich an der Realität vorbei hier von einem Füller zu sprechen. Am Ende wird „The End“ dann noch in einer moderneren Version als Bonus präsentiert. Dabei hat Richard Sjunnesson kreischige Vocals beigesteuert, die an moderne Death Metal/-Core Bands wie 5 STAR GRAVE & Co erinnern.
Mit „The Blackened Heart“ haben sich HARD RIOT einen mächtigen Schritt nach vorne bewegt und eine absolut hörenswerte, abwechslungsreiche und kraftstrotzende Visitenkarte hinterlassen. Doch wie so oft scheinen sich viele meiner Kollegen des Mottos „Der Prophet im eigenen Lande ist nichts wert“ bedient und feiern lieber gehypte und überbewerte Testosteronrocker wie STEEL PANTHER, als sich mal wirklich Zeit für eine vielversprechende Band aus der Heimat zu nehmen. Für mich ist „The Blackened Heart“ eins der stärksten modernen Hard Rock Alben dieses Jahres.