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Jan Dorn - ...unter den Nadelbäumen

VÖ: 12. Juni 2007   •   Label:  Eigenproduktion
von Marc Stoffregen
12. Juni 2007

Vielmehr handelt es sich um ein Berliner Trio. Überrascht war ich dann aber dennoch, als in den Infotexten, der Name Jan Lubitzki, der wohl auch Namensgeber für den ersten Teil des Bandnamens sein dürfte, auftauchte. War es doch mitunter jene Person, die in den 90er Jahren 4 killermäßige Studioalben unter dem Brand Depressive Age, später D-Age, veröffentlichte. Für mich war der gute Mann zu der Zeit ohnehin einer der besten Shouter und zudem seine Band, eine der besten, die die deutsche Metalllandschaft je hervorgebracht hat. Die beiden Alben “Symbols For The Blue Times” und “Electric Scum” rotieren nach wie vor ab und an mal in meiner Anlage und zählen immer noch zu meinen Lieblingswerken. Wirklich bedauernswert, dass sich die Band auflöste. Aber ich schweife ab. Konzentrieren wir uns auf Jan Dorn. Mit dementsprechend hohen Erwartungen ging ich also an “…unter den Nadelbäumen” heran. Selbst kategorisiert man sich als “Dunkle Deutsche Härte”, wobei man sich hier zweifellos dunkel und deutsch gibt, hart hingegen halte ich für Jan Dorn allerdings für etwas übertrieben. Stilmäßig bewegt man sich irgendwo zwischen Pop und Gothic Rock, bringt aber bei dem ein oder anderen Song auch Dark Wave Einsprengsel ein oder mischt modernere Sounds der Marke, Electro/Industrial unter. Die Songs gestalten sich dabei recht abwechslungsreich. Mein Favorit unter den fünf Titeln ist auch gleich der starke Opener “Mein Feind”, der gut ins Ohr geht, aber auch stark an die Düsterrock Combo Zeraphine erinnert. Verträumt und melancholisch gibt man sich beim darauf folgenden “Sommer”, dessen Hookline gelinde gesagt stark nach dem 80er Synthie Pop Knaller “Feels Like Heaven” von Fiction Factory klingt. Dennoch ein toller Song. Bei “7 Teller Pech” schrammelt und brüllt man wiederum umso intensiver und inbrünstiger. Hier bricht auch wieder ein wenig der etwas kraftvollere 90er “D-Age Lubitzki” durch. “Kohlenträger” kommt dann wieder etwas elektronischer daher und punktet mit seinem eingängigen Refrain. Abschließend darf man sich auf eine Halbballade der etwas makaberen Sorte freuen, auf die man sich vorher seelisch einstellen sollte. “Prinz & Riese” behandelt nämlich das Thema Kindesmissbrauch, welches hier in einer sehr blumigen und märchenhafte Kindersprache umschrieben wird. Diese lässt mich allerdings sehr bitter aufstoßen und hat beim ersten Hören fast einen Brechreiz bei mir verursacht. Missstände unserer Gesellschaft und abartige Perversionen anzusprechen ist zwar gut und wichtig, damit man ihnen mit geeinter Kraft den Gar ausmachen kann, aber ob dies hier in dieser Form nicht ein wenig zu weit geht, sei mal dahingestellt. Für meinen Teil bringt es hingegen eher Übelkeit zum Vorschein. Doch konzentrieren wir uns abschließend auf die Essenz der Musik. Sicherlich sind Jan Dorn keine zweiten Depressive Age. Zudem geben sie sich teilweise schwer verdaulich und auch etwas mehr Eigenständigkeit wäre zu wünschen gewesen. Lediglich die schwache und dumpfe Produktion, bei der der Gesang oftmals zu sehr in den Vordergrund gemischt ist, wäre noch zu kritisieren. Nichtsdestotrotz steht allen Mängeln ein markantes und abwechslungsreiches 20 minütiges Werk, dass sich beim Hörer einbrennt, gegenüber. Es darf also davon ausgegangen werden, dass die Berliner noch große Taten folgen lassen werden. Den Background und das Potential dazu haben sie allemal.

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