Jessica93 - Rise
...der wird von der Ein-Mann-Band JESSICA93 in diese Zeit zurückgebeamt, allerdings nur für einen kurzen Moment, denn ein hohes Maß an melancholischer alternative-rockiger Modernität sorgt für einen dann doch sehr eigenständigen Sound, auch wenn die Anspielungen auf und die Anleihen von Mastermind Robert Smith dann doch unverkennbar sind. Aber das macht diesen ganz besonderen Reiz dieses Longplayers aus, zu sehen, wie wirkungsmächtig und einzigartig diese Art von alternativer, sphärischer Musik heute noch ist.
Da sind zum einen die bisweilen dumpfen, niederdrückenden, bisweilen röhrenden Bassläufe, zum anderen die halligen, leicht blechernden Vocals, die echomäßig für eine zutiefst wehmütige Stimmung sorgen. Ähnlich verhält es sich mit der Monotonie (im positiven Sinne) und Regelmäßigkeit der Rhythmusgitarren. Das würde dann von der Songstruktur sehr an THE-CURE-Songs wie Seventeen Seconds' oder 'Faith' erinnern, wenn nicht die sägenden, sirenenhaften und noisigen Leadgitarrenparts nicht wären. Da sind wir dann eher beim Alternative-Rock der 1990er Jahre im Stile von YO LA TENGO ('Inertia').
Auch bei den Drums hat man mitunter das Gefühl, dass nicht Geoffroy Laporte hinter dem Kit sitzt, sondern Lol Tolhurst, besonders bei dem Songanfängen und -enden ('Now'). Einzigartig an diesem Longplayer ist die tiefe, wehmütige Melancholie, die man in dieser Form wirklich lange nicht mehr gehört hat ('Asylum'). Wenn man sich bisher gefragt hat, zu welchem Album man sich in heutiger Zeit seinem Liebeskummer hingeben kann, dann kann man nun getrost auf dieses Opus verweisen, wobei für ein bisschen Optimismus die unvergleichliche Düster-Hymne 'Karmic Debt' sorgt.
Fazit: JESSICA93 haben mit "Rise" ein überaus düsteres, wehmütiges, niederdrückendes und atmosphärisches Alternative-Album erschaffen, das die "Pornography"-Ära von THE CURE durch ein Mehr an Druck, ein mehr an Noise und ein Mehr an Atmosphäre in die moderne Gegenwart holt.