Jimmy Eat World - Integrity Blues
Und mit selbigem startet auch der Longplayer. Das schon veröffentlichte 'You And Me' ist ein nachdenklicher, etwas vor sich hinplätschernder Track mit einem verhalten optimistischen Refrain. Wahrscheinlich ideal, um aus dem Fenster zu schauen und über den Sinn des Lebens nachzudenken. Vielleicht zündet der Song aber erst so richtig nach dem zehnten Hören. Ähnlich ernst, aber um einiges klassisch JIMMY-EAT-WORLDiger ist 'Sure And Certain', vor allem, was die schrammeligen Gitarren und die melancholische Grundstimmung angeht. 'It Matters' lässt einen hingegen wegen Beliebigkeit und einschläfernder Wirkung etwas ratlos zurück. Nicht wesentlich rasanter, aber überzeugender ist dann schon 'Pretty Grids', vor allem aufgrund der scheinbaren Reduziertheit und seiner Düsternis.
Erlöst wird der geneigte Zuhörer aber endgültig durch das fabelhafte 'Pass The Baby', das überaus einnehmend ruhig mit deutlich vernehmbar wummernden Bass beginnt und eine mehr als gekonnte wehmütige, zerbrechliche Stimmung verbreitet, um dann in einem furiosen Finale zu enden. Mit 'Get Right' gibt es dann einen Knaller-Track, der für all das steht, was die Amerikaner groß gemacht hat, und der auch auf einem der älteren Alben hätte vertreten sein können: energetischer Alternative Rock, der unter die Haut geht, auch wenn im Vergleich zu früher hier mehr Atmosphärik zu spüren ist. Ganz nett ist auch 'You Are Free'. 'The End Is Beautiful' kann dagegen als musikalisches Kleinod überzeugen und als Remedium für all diejenigen, die immer noch an einer Sache leiden. Denn Adkins singt treffender Weise "It doesn't have to hurt anymore"!
Ein Highlight ist zudem unbezweifelbar das mitreißend rockige 'Through', bevor der rätselhafte Titeltrack 'Integrity Blues' den Hörer wieder einmal auf die Probe stellt, bekommt man hier doch einen sehr reduzierten Song geliefert, in dem die Vocals nur durch ein Ensemble begleitet werden. Anleihen bei klassischer Musik auf einem JIMMY-EAT-WORLD-Album. Das muss man sich mal reinziehen. Diese Anleihen werden beim Rausschmeißer 'Pol Roger' noch einmal aufgenommen, um dann mit frohgemuten melodischen Optimismus verbunden zu werden...
Kurz: JIMMY EAT WORLD haben sich die Frage gestellt, warum es ein neues und neuntes Album überhaupt geben soll. Die Antwort auf die Frage bleiben die Amerikaner zum Teil schuldig. Zwar versucht man durch neue Impulse wie Anleihen bei der klassischen Musik oder durch tiefsinnigere Texte eine Auffrischung und Weiterentwicklung des bandtypischen Sounds, aber gerade für die ruhigeren Songs gilt zumeist das, was ich auch schon zum letzten Album "Damage" geschrieben habe: "Nicht traurig und melancholisch genug, um unter die Haut zu gehen, nicht fröhlich und optimistisch genug, um gute Laune zu verbreiten." Nichtsdestotrotz gibt es aber auch einige richtige Kracher auf dem Longplayer. Insgesamt also ein sehr durchwachsenes Album! Aber vielleicht muss man sich wie bei KATATONIAs "Viva Emptiness" einfach reinhören....