Ersteres kann ich ja noch nachvollziehen, aber was zur Hölle ist anspruchsvoller Punkrock? Zählt die Band sich selber zu Elite? Die Einstellung der Punks zum Elitären ist ja bekannter Weise nicht wirklich herzlich. Ist es nicht anspruchsvoll, eine gute, klischeehafte Streetpunkscheibe mit Sauftexten zu machen? Für mich ist diese Selbsteinschätzung neben einer guten Portion Arroganz ungefähr so schlüssig wie ´chartorientiertes Grindcorealbum´. Ich glaube, dass die Band hauptsächlich aufgrund der Texte zu dieser Aussage kommt - aber mal Herrn von Thule zu erwähnen zeigt lediglich, dass in Deutsch aufgepasst wurde. Von dem Niveau und den geistreichen Witzen der Texte von NOFX oder den Ärzten sind JOHNNIE ROOK noch etliche Meter entfernt. Hier ein Beispiel für die außergewöhnlichen Lyrics: „Egal, was sie auch erzählen, egal, komm lass sie reden, egal, deine Hand passt viel zu gut in meine, deine Lippen schmecken oh so süß“ - mmmhh. Auch die objektiv wirklich exzellente Stimme von Sängerin Franziska gefällt mir nur in den tieferen Tonlagen gut. Ich mag ja Punkrock mit Frauenstimmen von den DISTILLERS über BAMBIX bis zu SHE-MALE Trouble wirklich gern. Hier fehlen mir aber Ecken und Kanten; es ist einfach zu glatt für eine Punkrockscheibe. Das alles ist umso bedauerlicher, als alle Songs musikalisch wirklich richtig gut sind. Die Tracks haben Melodie, Geschwindigkeit, Groove und sind abwechslungsreich gehalten. Das ist wirklich gute Kost. Leider gibt es auch hier einen Ausreißer nach unten. ´Jule´ klingt wie Rolf Zuckowski auf Punkrock und ist wohl nur für den Kindergeburtstag im Hause alternder Punks geeignet. Insgesamt hinterlässt die Scheibe also einen sehr zwiespältigen Eindruck. Wenn die Band etwas weniger selbstherrlich auftritt und insgesamt etwas rauer wird, könnte ich sie richtig mögen.
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