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Katatonia & Diabolical Masquerade - diverse Re-releases

VÖ: 01. März 2007   •   Label:  Peaceville/Snapper

Tatsache ist, dass eine Praxis, die auf dem Buchmarkt längst üblich ist, immer stärker auch in der Musikbranche Einzug hält: Veröffentlichungen liegen nicht länger nur in einer maßgeblichen Ausstattung vor, sondern in vielen unterschiedlichen Ausführungen, die mal kommentiert, mal prachtvoll verpackt und mal aufs Wesentlichste – die Musik! – reduziert werden. In Zeiten von nach wie vor florierenden Musik-Tauschbörsen im Internet, gilt es, um seinen Kunden zu buhlen. Hehre Ansprüche bleiben bei den Edlen unter den Buhlern trotzdem nicht auf der Strecke. Als Prophecy kürzlich ihre Empyrium-Retrospektive zum Anlass nahmen, den kompletten Backkatalog ihres ersten und verkaufsträchtigsten Signings in einer Ausgabe letzter Hand in einheitlicher und sehr schicker Optik vorzulegen, stellten sie noch einmal nachdrücklich heraus, dass es ihnen um das Gesamtwerk ihrer Künstler geht. Von einer kongruenten optischen Komponente kann bei den Katatonia- und Diabolical-Masquerade-Neuauflagen keine Rede sein; Musiker und Plattenfirma haben entschieden, das ursprüngliche Design (Ausnahme: das ins Negative verkehrte „Brave Murder Day“-Cover) zu erhalten. Dank Travis Smith, der den Bands schon früh als Layouter zur Seite stand, dank eigner Ambitionen im graphischen Fach, wirken die Tonträger, legt man sie nebeneinander, trotzdem wie ein harmonisches Ganzes. Peaceville sind mittlerweile offenbar der Rechte habhaft geworden, die ihre langjährigen Schützlinge Katatonia (inklusive der um die Mutterband wuchernden Projekte) noch mit dem siechenden italienischen Label Avantgarde Music verbanden. Nachdem Blakkheims nächtlicher und kinotauglicher Black Metal vorliegt, ist Katatonias Weg mit der Veröffentlichung von den kolossalen Alben „Discouraged Ones“ und „Brave Murder Day“ ebenfalls teilweise nachgezeichnet. Blakkheim, der den Kommentar (Diabolical Masquerades „Nightwork“, Katatonias „Discouraged Ones“ und „Brave Murder Day“) alleine gestemmt hat, geht darin auf grundlegende Details zur Produktion, zur Musik selber, zu den Impulsgebern und zur jeweiligen Situation im Bandumfeld ein. Es liegt in der Natur des Zurückschauenden, dass in seinen Worten auch Verwunderung darüber mitschwingt, was diese Alben heute vielen Menschen immer noch bedeuten. Das recht anschaulich beschriebene Ringen um „Brave Murder Day“ hat nichts Glamouröses, ist nicht schon von einem Odem umweht, der auf den außerordentlichen Status dieser Musik deuten könnte. Dass bei Diabolical Masquerades „Death’s Design“ im Gegensatz zu den übrigen Neuauflagen Bonusstücke und Kommentar fehlen, erklärt sich mit der atmosphärischen Geschlossenheit der Musik und der unnahbaren, obskuren Aura des gesamten Projektes. October Tide, Jonas Renkses zweites Standbein, harrt derweil noch einer Überarbeitung durch Peaceville. Wert wären beide Alben es allemal; während „Grey Dawn“ bis vor kurzem noch im Versandhandel zu beziehen war, erzielt das Debüt bei Ebay längst Toppreise. Für die jetzt vorgelegte Special-Edition von „The Great Cold Distance“ kann eine Motivation, wie sie bei October Tide greifen würde, nicht angenommen werden; erst im vergangenen Jahr stand die Erstveröffentlichung des aktuellsten Katatonia-Werkes an. Diese neue Version kommt im schönen Doppel-Digi daher und enthält neben den Bonus-Songs der „My Twin“-Single (‚Displaced’ und ‚Dissolving Bonds’) eine DVD, für die das Album neu abgemischt und in einen noch wuchtigeren, noch feiner ausdifferenzierteren Surround-Sound übertragen wurde. Ob das eine erneute Investition rechtfertigt, ob diese Ausgabe der ursprünglichen vorzuziehen ist, liegt im Auge und Ohr des Betrachters.

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