Killerpilze - High
Es soll ja Mitglieder der Twilight-Redaktion geben, die mit einem Album erst zufrieden sind, wenn es sich vollkommen anders anhört als sein Vorgänger. Dann sind die KILLERPILZE genau deren Ding. Denn es gibt nur wenige Bands, die das kreative Potenzial besitzen, sich mit jedem Album neu zu erfinden. Aber auch wenn man nicht zu der "Veränderung-auf-Teufel-komm-raus-Fraktion" gehört, kann man sich diesem Longplayer nur schwer entziehen, hat das Trio doch ein Opus erschaffen, das in der Lage ist, den Lebensabschnitt des Hörers maßgeblich zu prägen. Das ist dann das Zeug, aus dem Meisterwerke gemacht sind und die sind in letzter Zeit vor allem im deutschsprachigen Raum äußerst rar gesät.
Schon der Opener 'Mantra' bezaubert durch seine frohgemute Nachdenklichkeit. Und wer ist nicht immer noch auf der Suche nach sich selbst oder "I can't find myself", wie es Robert Smith von THE CURE ausdrücken würde. Für die älteren Zuhörer verbreitet die Durchhalte- und Mutmachhymne 'Immer noch jung' ein intensiv-rockiges Gefühl des Optimismus. Da vergisst man nach dem Aufstehen doch glatt die ganzen Wehwehchen, die einen so plagen.
Fast schon PETERLICHTmäßig kommt der Track 'Hymne' daher, schlechte Laune muss man woanders suchen. Ein ganz anderes Kaliber ist dagegen 'Major Love', ein Song, der um einiges grooviger und bluesiger daherkommt, inklusive überaus gelungener Gitarrensoli und stilprägendem Gepfeife. So sieht musikalische Diversity aus. Dass 'High mit dir', Achtung Wortspiel!, ein wahres Highlight ist, versteht sich eigentlich von selbst. Ein elektronisch angehauchtes Lied, das phasenweise an die Berliner Band MIA erinnert und mit einem einzigartigen, gänsehauterzeugenden Finale aufwarten kann. Hammer! Bestens geeignet auch für dauerhafte Wiederholungen.
Deutschen Alternative Rock mit einem tief emotionalen Hang zur Melancholie bietet der Track 'Ruinen', der einen in die Hochzeit des genannten Genres in die 90er Jahre entführt. Weltklasse sind auch die textlichen Anspielungen 'Summer Of 69' von BRYAN ADAMS (Summer of Siebzehnsein). Fast schon in SELIG-Manier präsentiert sich der proggig-bluesige-Song 'Stadt voller Frauen', eine launig-liebevolle Liebeserklärung an das einzigartige Geschlecht. Ein richtiger "Knick-Knack-Blues" liegt mit H.E.A.R.T. vor, ein Stück, in dem es vermeintlich hauptsächlich um das Eine geht, das aber musikalisch durch eine ungemeine Intensität und Tiefgründigkeit glänzen kann. Im Gegensatz dazu ist 'Festival' eine klassische "Feel-Good-Hymne", die durch das Spannungsfeld von Nachdenklichkeit und Frohsinn zu überzeugen vermag. Singer-Songwritermäßig reduziert, fast schon akustisch, aber nicht minder leidenschaftlich ist 'SchneeSonne Schnee', eine Ode an jedweden Beziehungsschmerz. Für mein Dafürhalten etwas schwächer ist trotz der ernsthaften Textlichkeit nur der Rausschmeißer 'Trip', der aber mit einem furiosen Finale noch etwas gutmachen kann.
Fazit: Die KILLERPILZE zelebrieren auf ihrem Longplayer "High" trotz musikalischer und textlicher Reife eine neue Leichtigkeit des Seins und können mit ihrer Mischung aus angelooptem, poppig-elektronischem Rock und Blues mehr als überzeugen! Reinhören, entdecken, kaufen!