Ich habe sie spätestens im Jahr 2000 ins Herz geschlossen, als sie "Terzo Mondo" auf den Markt brachten und damit einen ersten Teil ihrer musikalischen Weltreise ablieferten. Das folgende Zusammentreffen der knallharten, investigativen No Compromise Journalisten J. Haarstrich und T. Zwingelberg mit der Band in Braunschweig ist Geschichte und im No Compromise nachzulesen.
Mit ihrem aktuellen Werk "Buena Vodka Social Club", für das offensichtlich Wim Wenders 1999 erschienene Dokumentarverfilmung Pate gestanden hat, verfolgen die Cowboys augenscheinlich vor allem ein Ziel: sich selbst treu zu bleiben. Und dies gelingt auf voller Linie. Wenn sich hier und da eine Stimme aus dem Blätterwald meldet und sich über einen fehlenden roten Faden oder exotische Stilmischungen beschwert, dann darf man hier wohl schlicht unterstellen, dass die Damen und Herren noch nie einen Song der Cowboys gehört haben. Klar, wenn "Frijoles Y Lager" läuft, könnte man genauso gut Paul Kuhn und das ZDF Orchester bei einem spanischen Abend hören, doch gerade das macht die Leningrad Cowboys so besonders: stilistische Grenzen gibt es für sie nicht.
Die Damen und Herren mit den verwegenen Frisuren und den riesigen Schuhen starten ihr zwölftes Studioalbum (wenn ich richtig gezählt habe) mit einer Art Polka-Punk Mischung und gehen anschließend zu einem leicht verträglichen, versöhnlich klingenden Alternative-Pop-Country-Rocker namens "All We Need Is Love" über. Während "Drill A Hole" zunächst den Eindruck erweckt, als würde eine polnische Folkloretruppe im Beduinenzelt von Kalif Ben Hadschi einen Themenabend abhalten, fühlt man sich urplötzlich an AC/DCs "Let There Be Rock" erinnert nur um dann einen genuin Leningrad Cowboy'schen Refrain um die Ohren zu bekommen. Dann wird es auch gleich Zeit für den Peti-Coat, denn mit "Gimme Your Shushi" eilen wir den Rockabillyl Highway herab und tauchen ein in die Zeit von Roy Orbison & Co. Ein Highlight der Scheibe ist für mich "Rock N Roll Show", bei dem die Cheerleader vor dem geistigen Auge vorbei tanzen. Super.
Lange Rede, kurzer Sinn: die Lenningrad Cowboys sind abwechslungsreich wie eh und je, setzen sich mit bedacht zwischen alle musikalischen Stühle und scheren sich einen Dreck darum was die Musikpolizei denkt. Wichtig ist nur, dass sie wieder da sind und uns bleibt nur zu sagen: "We thank you very many!"
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