Wohl eher nicht. Der Begriff Renaissance trifft es besser. Denn der Sound Von LENORE S. FINGERS ist nicht einfach eine bloße Kopie der in den 90ern erfolgreichen Alternative-Rock-Größen, sondern vielmehr eine Verschmelzung mit musikalischen Elementen, die in der Tradition von Bands wie KATATONIA, THE GATHERING oder ANATHEMA stehen: Intensive, melancholische Melodien treffen auf intensive, mitunter leidende, zerbrechliche sowie den Beschützerinstinkt in uns weckende Vocals der Frontfrau Federica, die wiederum das ein oder andere Mal im heftigen Kontrast zu rifflastigen und Alternative-Rock-mäßigen Gitarren gerät. Kein Wunder, geht es in den neun Songs doch um die nicht enden wollende Einsamkeit einer jungen Frau, verloren in den tragischen Erinnerungen an ihre Vergangenheit und den unangenehmen Ängsten vor der Zukunft.
Und diese innere Zerrissenheit spürt man in jedem einzelnen Song. Ganz ungewöhnlich startet der Longplayer mit dem titelgebenden Track, der jedoch gegen alle Erwartungen ein sphärisches, instrumentales Intro ist, bevor es dann mit 'The Last Dawn' richtig los geht, eine melancholische, traurige Alternative-Hymne, die im Hintergrund metal-power-balladig daherkommt. 'Victoria' ist hingegen ein ganz anderes Kaliber, eine Mischung aus dem dynamischen LACUNA-COIL-mäßigen Gothic-Rock mit HOLE-artigen Riffs.
Während der Song 'Cry Of Mankind' auf mich zunächst um einiges düsterer und sphärischer, aber auch uninspirierter und schwächer wirkt, nimmt er am Ende durch seine Gitarrensoli doch Fahrt auf. TORI AMOS lässt in 'To The Path Of Loss' grüßen, wohingegen uns 'Song To Eros' äußerst authentischen, ungeschminkten und langsam härter werdenden Alternative Rock bietet.
Dabei ist es gerade auch das Songwriting und die Komposition der Songs ('Doom', The Calling Tree'), das aufgrund seiner Vielseitigkeit und Vielschichtigkeit zu überzeugen weiß.
Kurz: LENORE S: FINGERS zelebrieren auf "Inner Tales" eine ungeahnte, tieftraurige und kämpferische Melancholie im Alternative- und Gothic Rock Gewand, die es in dieser Vieleitig- und Vielfältigkeit lange nicht mehr gegeben hat. Hört mal rein. Es lohnt sich!