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Lita Ford - Living Like A Runaway

VÖ: 24. Juni 2012   •   Label:  Steamhammer/Spv
Von vielen Seiten war die ehemalige „The Runaways“ Gitarristin ja bereits als feuchter Traum der eigenen Jugendjahre abgeschrieben worden, dabei hat man vielfach über die musikalischen Qualitäten der Dame mit der Vorliebe für echte Heavy Äxte hinweggesehen. Für Album No. 2 nach der Rückkehr hat sich LIta Ford – die übrigens auch heute noch eine hervorragende Figur macht – von Pink Floyd inspirieren lassen und die Songs als musikalische Reise angelegt. Nun gut, solcherlei Bindungen der Künstler an das eigene Schaffen bleiben für die Konsumenten oftmals weniger offensichtlich. Also keine Angst, „Living Like A Runaway“ ist ein Album mit 10 Songs die man ohne größere Vorbereitung oder esoterische Einführung genießen kann.

Mit dem 1988 Album „Lita“ feierte die zweifache Mutter die größten kommerziellen Erfolge, Songs wie das Duet mit Ozzy in „Close Your Eyes Forever“ oder „Kiss Me Deadly“ gehören noch heute zur Standardsetliste jeder Show. Vom Nachfolger „Stiletto“, auf dem sich die Blondine optisch deutlich züchtiger und salonfähiger präsentierte, hat wohl vor allem das anrüchige „Hungry“ die Zeit überlebt. Mein Lieblingsalbum folgte dann 1991 mit „Dangerous Curves“. Optisch und musikalisch bewegte sich Ford nun nochmals vollkommen im Haarspraynebel der auslaufenden Big Hair Welle. Mit „Holy Man“, „Little Too Early“ (übrigens aus der Feder von Blackmore und Turner), „Shot of Poison“ und „Larger Than Life“ lieferte die Rockröhre einige der stärksten Songs ihrer Karriere ab. Danach wurde es ruhiger und schließlich nach dem „Black“ Album 1995 ganz ruhig.

Mit „Living Like A Runaway“ zeigt Ford, dass sie sich der musikalischen Entwicklung der letzten Jahrzehnte nicht verschlossen hat, sich aber dennoch selber treu bleiben wollte. Herausgekommen ist ein erstaunlich hartes, frisch klingendes Hard Rock Album, das sowohl gute Riffs als auch eingängige Melodien vorweisen kann. Schon der Opener „Branded“ steigt mit einem Mörderriff ein, welches sofort an junge Wilde wie Sister Sin oder Crucified Barbara erinnert. „Hate“ mischt ein alternativ angehauchtes Riff mit hardrockigem Refrain während „The Mask“ neben heavy Riffs auch ein paar Samples präsentiert. „Living Like A Runaway“ nimmt ein wenig Härte aus dem Sound und die Strophenteile könnten auch von Brian Adams inspiriert worden sein. Die Ballade „Mother“ ist wohl eine Liebeserklärung an die eigenen Sprösslinge, und wrkt etwas cheasy – aber nun gut, die Szene wird eben auch älter. Da trifft das kraftvollere „Asylum“ doch schon eher meinen Geschmack, zumal die Lead-Licks in dem Song durchaus auch von Hetfield & Co für Master of Puppets geschrieben worden sein könnten. Eindeutig einer der stärksten Songs des Albums. Am Ende steht dann noch eine Industrial-Version des Nikki Sixx Songs „A Song To Slit Your Wrists By“.

Am Ende bleibt ein zeitgemäßes, erstaunlich heavies Album einer Rockikone der 80iger und 90iger, die damit problemlos im 21. Jahrhundert Fuß fassen sollte ohne ihren eigenen Stil umgekrempelt zu haben. Hut ab, Lita, für dieses ehrliche Album!

Da wünscht man sich eigentlich nur noch, dass die Dame auch in Deutschland nochmal mit Def Leppard und Poison auf Tour geht.

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