Zum Hauptinhalt springen

LYPSWITCH - World of Sin

VÖ: 28. März 2024   •   Label:  Eonian Records
Die ausgehenden 80er und die beginnenden 90er Jahre waren für uns Jahre des Aufbruchs und der Hoffnung. Alles schien möglich, sogar beständiger Weltfriede. Wie anders erscheint die Perspektive etwa 35 Jahre später. Da kann ein musikalisches Zeichen aus der guten alten Zeit doch nur willkommen sein.

Allerdings muss man sagen, dass das Jahrzehnt der 90er für die von Orlando nach L.A. umgesiedelten Lypswitch, wie für viele Hair Metal Bands, nicht unter einem guten Stern stand. Die musikalische Welt änderte sich rasant und während man in Europa zu Eurodance Acts abfeierte, machte sich in der amerikanischen Rockmusik eine gewisse Schwermütigkeit breit und der Grunge vertrieb den süßlichen Duft des Haarsprays aus den Clubs und Plattenregalen. Dementsprechend schafften es LYPSWITCH seinerzeit auch nicht zu einer offiziellen Veröffentlichung, sondern beließen es bei einigen Demos. Erst 2018 feierten die Songs der Band mit „30 Years“ einen ersten offiziellen Release. Weitere sechs Jahre wurden die Songs aus den Jahren 1988-91 nun erneut in Form einer Compilation zusammengestellt, soundtechnisch überarbeitet und mit Bonusmaterial neueren Datums angereichert. Neben den drei Songs aus dem Jahr 2018 („Thirst“, „Damnation“, „Carry Me Away“), die sich auch auf „30 Years“ finden, gibt es mit „Get out – Run“, „Out of Control“ und „Man in the Middle“ drei ganz neue Songs, zudem wurde „Fever/Psychadelic“ in der hier vorliegenden Form zuvor offenbar noch nicht veröffentlicht. Unterstützung gab es von Joe Leste von BANG TANGO in Form eines Gastauftritts.
Nun muss man allerdings sagen, dass das neuere Songmaterial nicht unbedingt zu den Stärken des vorliegenden Albums gehören. Die Songs aus dem Jahr 2023 unterscheiden sich soundtechnisch stark vom älteren Material und die Gitarren klingen deutlich dünner, während die Drums zu weit im Vordergrund stehen. Allen neuen Songs ist gemein, dass sie mehr oder weniger stark mit alternativen Sounds liebäugeln und dementsprechend weniger unbeschwert klingen als das Material um 1990. Ein Phänomen, welches man von vielen der ehemaligen Hair Metal Combos kennt, denn auch POISON oder MÖTLEY CRÜE tendierten dazu.
Apropos MÖTLEY CRÜE: Frontmann Danny Whaley klingt gelegentlich durchaus nach Vince Neil, so dass Songs wie „Rattlesnake Skin“, „Kiss in the Dark“ und „Psychedelic“ Crüe Jüngern auf jeden Fall gefallen dürften. Und auch „Rock ‘N’ Roll Ain’t Pretty” haut ordentlich rein.
Letztlich entpuppt sich das Vermächtnis von LYPSWITCH nicht als übermächtig. Die 2023er Songs sind zwar besser als die aus 2018, schwächeln aber in Sachen Sound extrem. Höhepunkte sind tatsächlich „Rock ‘N’ Roll Ain’t Pretty” und vor allem „Rattlesnake Skin“, welches zur richtigen Zeit ein Hit hätte werden können und auf jeden Fall gut in jede Hair Metal Sammlung passt. Insgesamt präsentiert sich „World of Sin“ also als eine durchwachsene Mischung mit sowohl irrelevanten als auch herausragenden Songs für haarspraysüchtige Anhänger von MÖTLEY CRÜE, BANG TANGO, DANGER DANGER oder STEELHEART.
Wir benutzen Cookies
Für einige Funktionen benützt diese Website Drittanbieter Cookies (YouTube/Google) - Lesen Sie mehr darüber in unseren  
Hinweis

Eine Ablehnung wird die Funktionen der Website beeinträchtigen. Möchten Sie wirklich ablehnen?