Denn wenn es eine Mutter allen Kopfschmerzes gibt, dann ist das ihr neuster Auswurf „Under Water“ (ein Titel, bei dem ich unwillkürlich an das Zischen der Aspirin-Tablette im Glas denken muss).
Unter der ulkigen Genre-Bezeichnung „German Eastcoast Goth ’n Roll“ lärmt das Quartett aus Rostock nun schon seit 1996 vor sich hin, hat sogar Größen wie Saxon auf Touren begleitet und nebenher zwei Vollzeit-Alben veröffentlicht, von denen bislang wohl noch niemand etwas mitbekommen hat. Kein Wunder: Nach dem Aufkommen von HIM und den 69 Eyes ist es schwer, im tiefen Sumpf des Gruftrocks noch irgendwelche Klischees zu finden, mit denen man noch dicker auftragen kann als der Rest.
Mainpoint schaffen das auf ihrer neuen Platte erstaunlich gut. „Under Water“, das steht für eine Dreiviertelstunde dunklen Zuckergusses, der wirklich jeden Kitsch bedient: Überflüssiges Intro, Frauengesang in höchsten Tönen, eine fünf Oktaven zu tiefe Herrenstimme und Texte, die besser keine Niederschrift gefunden hätten. Musikalisch gewinnt man den Eindruck, hier habe jemand arg viel Sisters und Type O gekifft, aber deutlich weniger zu sagen: Dafür sorgen schon aussagekräftige Textpassagen wie „Yes, we're on the road again, yes, we are one crew. We drive along the highway to do what we gotta do.“ Vorgetragen werden diese hochwertigen Auswüchse deutsch-englischer Sprachkunst von Axl K., dessen Stimme man an den hochtönigeren Stellen deutlich anmerkt, dass die Natur sie eigentlich nicht für krampfhafte Imitationen von Peter Steeles tiefem Basston vorgesehen hatte.
Schade eigentlich, denn besonders in rockigeren Momenten merkt man, dass der Herr weit mehr mit seinen Stimmbändern anstellen kann, als sie mühsam tiefer zu stimmen. Hier blüht auch der Rest der Band ein Stückchen auf, und wären da nicht die schwachsinnigen Texte, könnte man glatt ein Fußwippen riskieren.
45 Minuten und drei-einhalb Aspirin später sind Mainpoint dann auch mit dem letzten Titel durch, einem schlechten Cover von Factory Fictions „Feels Like Heaven“ (aus dem man origineller Weise „Feels Like Hell“ gemacht hat… Hihi!). Bleibt die Frage, was man nun mit dem auf Silber gepressten Schwulst nun anstellen soll. Am besten schickt man ihn zurück dahin, wo er dem Namen hergekommen ist: „Under Water“. Blub!