Minor Alps - Get There
Zwei der Helden unserer Alternative-Vergangenheit sind jetzt zusammen unterwegs: Juliana Hatfield, Solokünstlerin und Frontfrau verschiedener Bands wie den BLAKE BABIES, und Matthew Caws, seines Zeichens Frontmann von NADA SURF. Das ist fast so, als ob Colt Seavers von "Ein Colt für alle Fälle" und Amanda King von "Agentin mit Herz" nun zusammen Fälle lösen würden.
Hatfield und Caw, beide großgeworden mit (ehemaligen) Alternative-Größen wie VERUCA SALT, THROWING MUSES, FIONA APPLE oder YO LA TENGO, firmieren jetzt unter dem Bandnamen MINOR ALPS und haben zusammen ein unaufgeregtes Werk unter dem Titel "Get There" erschaffen, das besonders unsere Generation anzusprechen scheint.
Nicht nur textlich, wird doch von 'Buried Plans', 'Wish you were upstairs' (Wer hat sich das nicht schon einmal von seinem Partner gewünscht?), "If I wanted trouble, I can find it" oder 'Mixed feelings' gesungen. Auch in musikalischer Hinsicht harmonisieren unsere beiden Helden in herausragender Weise. Obwohl sie auch anders könnten, haben sie sich für den eher ruhigen Weg entschieden.
Denn wenn das Leben einmal so richtig lärmt, hat man entweder die Möglichkeit, selbiges mit dem "Angry-Metal-Way" lautstark zu übertönen, oder dem Lebenslärm mit bewusst nachdenklicher Ruhe zu begegnen. Für Letzteres haben sich MINOR ALPS und setzen mit "Get there" ein Zeichen gegen die in heutiger Zeit weit verbreitete Gehetztheit, Schnelllebigkeit und Immererreichbarkeit.
Dieser Longplayer funktioniert als organisches Ganzes, auch in abgedunkelten Zimmern ohne andere Reize. Nur die Dunkelheit, dein Lieblingsbier, Juliana, Matthew und DU. So wie früher, als Alben noch nicht als Digital-Download-Steinbruch missbraucht wurden.
Abgesehen von den Drums haben die beiden alle Instrumente selber gespielt und beide haben auch vermocht, den verschiedenen Song ihren jeweiligen Stempel aufzudrücken. Doch auch wenn einige Tracks eher nach NADA SURF klingen, also melancholisch weltschmerzmäßig, so ist es vor allem die kraftvoll filigrane Stimme von Juliana Hatfield, die ihnen dann doch ein ganz besonderes Flair verleiht und so das in ihnen liegende Potenzial voll ausschöpft ('Far from the roses' oder 'If I wanted trouble'). Zugleich gibt es aber auch Songs, die von ihr und ihren rotzig frechen Gitarren geprägt sind ('I don't know what to do with my hands' oder 'Mixed feelings'). Straighter, authentischer und schnörkelloser old-school Alternative-Rock. Herrlich!
Sind die Instrumente bisweilen sehr minimalistisch eingesetzt, dann werden die Glanzpunkte durch den gemeinsamen oder abwechselnden Gesang beziehungsweise durch undefinierbare orgelmäßige Musikpartien gesetzt ('Maxon').
Dass Juliana Hatfield und Matthew Caw in so unglaublicher Weise harmonieren, ist ein großer Glücksfall. Und dass aus dieser Harmonie ein solch nachdenkliches Alternative-Meisterwerk entstehen konnte, ein noch größerer.