Mob Rules – Timekeeper-20th Anniversary Box (3CD Box Set)
Während der Häuptling der Apachen und sein in Wildleder gekleideter Freund jedes Wiedersehen mit einer mehr oder weniger lauwarmen Umarmung begehen, schenken die Niedersachsen ihren Metalbrüdern lieber eine CD-Box mit drei CDs (und einer DVD). Zum einen dürfte die hautenge Lederkluft der Bandmitglieder schon bald durchgescheuert sein, wenn sie jeden Fan persönlich zum 20jährigen Jubiläum knuddeln wollten. Zum anderen wärmen die 27 Songs den Hörer auch dann noch, wenn das Lagerfeuer längst runtergebrannt und zu einer traurigen Glut verkommen ist.
Ebenso wie Old Shatterhand, der anfangs als blutiges Greenhorn belächelt wurde und sich doch schnell in allen Ecken der Prärie Respekt und hohes Ansehen verschaffen konnte, straften die Wilhelmshavener alle Kritiker und Zweifler mit ihrem 1999er Debüt „Savage Land“ knallhart ab. Und Songs wie der legendäre „Rain Song“ strecken gestandene Metalheads auch heute noch so schnell nieder wie die stählerne Faust Old Shatterhands. Nun würde sich Gitarrist Matthias Mineur ja durchaus auch als Winnetou-Darsteller – oder zumindest sein älterer Cousin zweiten Grades – anbieten und er und sein Gitarrenbuddy Sven sind ja an der Sechssaitigen mindestens ebenso so sicher wie Old Shurehand.
Ebenso wie die Filmproduktionen von Winnetou (man denke nur an die misslungene Wiederauferstehung des Indianerhäuptlings für eine ZDF Weihnachtsserie), sind die Herren aus dem Land des weißen Sachsenrosses in den letzten 20 Jahren durch einige Höhen und Tiefen gegangen, doch das vorgelegte Songmaterial unterstreicht eindrucksvoll, dass die Musik stets von höchster Qualität geblieben ist. So ist es nicht verwunderlich, dass besagter „Rain Song“ (hier in der der Liveversion) und der Titeltrack des 2012er „Cannibal Nation“ Albums für mich zu den besten Songs der Bandgeschichte gehören. Und wer befürchtet, dass der Sechser um Scout Klaus Dirks für diese CD Box lediglich alte Songs halbherzig aufgewärmt hat, wird schnell eines Besseren belehrt. Mit „Broken“ und „My Kingdom Come“ gibt es nicht nur zwei brandneue Tracks, sondern man hat auch einige Freunde eingeladen bei neuen Versionen alter Stücke mitzuwirken. „Timekeeper“ wurde mindestens ebenso maßgeschneidert wie der Prärieanzug des jungen Indianerhäuptlings Winnetou alias Pierre Brice. Und auch wenn einschlägige Metal-Shops dieser Tage bereits vegane Lederjacken anbieten, hält das die Jungs von MOB RULES noch lange nicht davon ab auch nach 20 Jahren weiterhin ehrlichen und handfesten Melodic Metal abzuliefern. Und ich bin mir sicher, dass sich die jungen Krieger an den Lagerfeuern der Metalgemeinde auch nach weiteren 20 Jahren noch ehrfürchtig von den Alben eines kleinen Stammes namens MOB RULES erzählen werden.
