Monzen - Flugsalbe
Gerade das macht die Platte interessant. Mit Progressivem Rock kann man mich ja in der Regel jagen. Der ist mir oft zu glatt und elitär, häufig schwingt eine gewisse Arroganz mit. Das ist bei MONZEN nie der Fall. Das Trio besteht aus drei Freaks, die ihrer Leidenschaft frönen. Den Lesern des Twilight ist wohl nur Drummer Marc Reign ein Begriff, der lange bei ORTH und DESTRUCTION war und aktuell auch die Felle bei MORGOTH gerbt. Dass er wesentlich mehr kann als derbe Songs nach vorn zu peitschen, zeigt er hier. Die Besetzung mit Keyboard, Gitarre und Schlagzeug hat ihren ganz eigenen Reiz. Obwohl ich ja kein großer Anhänger des Tasteninstruments bin, macht es hier Sinn. Auch wenn Gregor keine Melodiebögen spielt, ersetzt er den Gesang. Angenehm ist auch, dass der Sound nicht nach CREMATORY artigen Casioorgel-unterm-Weihnachtsbaum-Voreinstellung klingt.
Bemerkenswert ist, dass der über 15 minütige Track ´Flugsalbe´ in einem Take aufgenommen wurde. Dabei ist die Zeit eher nebensächlich, denn bei dem technischen Niveau benötigen wohl viele Bands eine Menge Anläufe, um auch nur einen Part sauber in den Kasten zu bekommen.
Teenager interessieren sich in aller Regel ja eher für Musik als für Mathe. Die Nachfolger von Adam Riese sollten ´Monzen´ nutzen, um den Schülern die Bruchrechnung näher zu bringen. 4/4 versteht ja jeder aber 13/8 kann man hier lebendig erklären.
Es scheint, als hätten alle Musiker die Flugsalbe auf ihre Instrumente geschmiert und fliegen kreuz und quer durch den Song, ohne die Kontrolle zu verlieren. Der Track besteht aus unterschiedlichen Parts, die aber nie willkürlich zusammengewürfelt klingen.
Auf der B Seite befindet sich dann ´Monze13´, das diese Qualität nicht bietet. Ich finde keinen Zugang zu dem Song. Zum Schluss gibt es dann noch eine transparente Ausgabe der Flugsalbe, clean hergestellt halt. Hier klingt das Keyboard nach Piano und die Gitarre wird nicht verzerrt. Stellenweise erinnert das an PRIMUS (so um Minute 4). Die Version geht OK, ich habe aber mal zufällig live eine mit Gesang, Schlagzeug und Gitarre gehört, die mir besser gefallen hat.
Unterm Strich bleibt eine musikalisch beeindruckende Scheibe, die gleichzeitig bescheiden und bodenständig wirkt. Das ist eine so seltene wie angenehme Mischung.