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Moonspell - 1755

VÖ: 02. November 2017   •   Label:  Napalm Records

Und da damals in der frühen Neuzeit der Glaube noch eine allumfassende Rolle spielte, versuchen die Portugiesen ihre mitunter doch etwas uninspirierten und langatmigen Songs durch opereske, opernhafte Drama-Choräle zu funeraler Festlichkeit zu verhelfen ('Em Nome Do Medo', '1755'). Gleiches gilt für 'In Tremor Dei', ein Titel, bei dem man der massive Verstoß gegen die lateinische Grammatik und die kakophonen Gesänge bei mir einen wahren Tremor auslösen.

In den düsteren riffigen Teilen der Songs stellen MOONSPELL unter Beweis, dass sie das Metaln nicht verlernt haben, aber das übertriebene Pathos verleidet einem den kurzen Lichtblick dann schnell wieder ('Desastre', 'Abanão'). Man hat immer wieder das Gefühl, man befinde sich in einer Oper, wo eine Metalband versucht, durch das Klassik-Experiment einen auf Hochkultur zu machen.

Ein Angebot zur Versöhnung scheint dann zumindest 'Evento' zu sein, denn dieser Song kommt durchaus mit einem ansprechenden Härtegrad und einer erfrischenden düsteren und eingängigen Infernalität daher. Ähnliches gilt auch für 'De Novembro', auch wenn dieser Song etwas beliebiger ist. Orientalische Elemente sorgen dann in 'Ruínas' für eine neue Nuance, ebenso das Mehr an tiefgründiger Atmosphärik, vor allem durch die Klaviertöne und die Leadgitarren. Ein zweites Highlight des Albums. 'Todos Os Santos' fällt dann wieder in das schon beschriebene Muster des pathetischen „Too Much“ zurück, etwas versöhnlicher ist dann der ruhigere Rausschmeißer.

Fazit: MOONSPELL haben versucht, das verheerende Erdbeben, das Lissabon im Jahre 1755 heimgesucht hatte, in einem Konzeptalbum zu vertonen. Mir ist das Ergebnis zu verkopft, zu gezwungen und zu verkrampft. Denn gegen den Wust aus opernhaftem Pathos, übertriebenem Schwulst und triefender Dramatik hat der herkömmliche MOONSPELL-Sound kaum eine Chance.

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