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Natem - Natem

VÖ: 03. März 2015   •   Label:  Eigenproduktion

Am Rande habe ich mitbekommen, dass die Hildesheimer von NATEM ganz guten Doom spielen sollen. Das ist eine absolute Untertreibung.
Der Doom Metal ist ein sehr facettenreiches Genre und so sehr ich mache Spielarten mag, so fremd sind mir andere. NATEM gehören definitiv zu ersten Gruppe. Und das gerade oder obwohl sie keinem der Subgenres eindeutig zuzuordnen sind. Die Vocals machen für mich einen zentralen Unterschied; zu dem klassischen Doom mit cleanen eher hohen Vocals habe ich nie wirklich Zugang gefunden. Der mächtige Opener bei NATEM macht klar, dass es gar keine Vocals braucht, um die Spannung über gut zehn Minuten aufzubauen und zu halten – so kann man die Gesangs-Klippe auch erfolgreich umschiffen.
Das zweite Kriterium ist für mich der Pathos-Faktor. Der ist bei NATEM zum Glück gleich Null und so wird auf Pseudo-Erhabenheit und Instrumente wie Keyboards, Geigen oder Ähnliches verzichtet. Eine theatralische Aufladung haben derart gute Songs einfach nicht nötig. Die klassische Rockbandbesetzung richtet es. Es ist schön zu hören, dass Highspeed Blast Drummer Adrian, der vorher bei den Brutal Deathern von CASUS war, hier zurückgenommen trommelt und sich in den Dienst der Songs stellt. Da gibt es noch wesentlich weniger Beiwerk als bei WINTERs ´Into Darkness´. 
Wenn es um Doom mit tiefen Growls geht, ist man ja schnell bei der Schublade Funeral Doom. Davon ist sicher einiges im Sound von NATEM gelandet. Manche Passagen bei ´Benath The Soil´ erinnern mich an Songs nach der Art von ANATHEMAs Meisterwerk ´They Die´. Da gibt es dieses schleppende monotone, aber nie langweiliges Riffing und dann kommt nach 7 Minuten eine Leadgitarre, die das tiefe Schwarz mal mit hellgrauen Streifen durchzieht. Großartig.
Im Vergleich zu den Briten hatten NATEM die Songs aber etwas rockiger, was nicht mit schneller zu verwechseln ist. Momentan ist der Drone/Sluge Doom ja sehr angesagt, das Quartett leiht sich hier etwas Inspiration, ohne auf den Zug aufzuspringen. NATEM versuchen zum Glück nicht möglichst krank zu klingen. Das als mir Selbstzweck ist auch zu wenig. Die Produktion von NATEM ist wärmer und nicht so knarrzig wie die von vielen Drone Bands, ist aber weit davon entfernt glatt zu klingen.
Bei ´Back Into The Ether´ variiert Thomas dann auch mal die Vocals und wechselt von den Grunts zu eher kehligen Schreien - beides passt perfekt zur Stimmung des Songs.
Das abschließende ´Rusting Leaves´ hält die Qualität der Scheibe in den ersten 10 Minuten, dann folgt ein mir zu langes Solo der Leadgitarre, falls man das überhaupt so nennen kann. Dazu muss ich sagen, dass ich - unabhängig vom Genre - 90 Prozent aller Gitarrensoli überflüssig finde. Der erste Durchlauf dieser Passage nach 7 Minuten geht absolut OK: nach hinten raus ist es mir zu viel. Die letzten 3 Minuten brauche ich nicht mehr. Die lange Verspieltheit geht dann leider auf Kosten der Intensität.

Obwohl mir diese letzte Phase die Platte etwas madig macht, überwiegt unterm Stich meine Begeisterung für diese unglaublich intensive Scheibe eindeutig. Über die ersten 35 Minuten bieten NATEM den besten Doom, den ich seit längerem gehört habe (Ja, ich war bei MY DYING BRIDE in Hamburg und habe die neue OCTOBER TIDE gehört). Es ist kaum zu glauben, dass es sich um das erste Release der Band handelt. Ich bin gespannt und in Vorfreude auf noch hoffentlich viel mehr von dieser Band.

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