Nightrage - The Puritan
Bei NIGHTRAGE schon. Denn die Band, die vor nicht einmal sechs Jahren selbst bei den kritischten Geister der Twilight-Redaktion als "Lieblingsmelodicdeathmetalband" firmierte, scheint diese Veränderungen als Ansporn zu nehmen, noch einmal eine Schippe draufzulegen und ihre genuin eigene Spielart von melodischem Todesmetal zu zelebrieren, der jenseits des angepassten und gefälligeren Sounds von Bands wie INSOMNIUM einiges mehr an Dynamik und Energie im Verein mit Durchschlagskraft und Druck hat. Dass der neue Mann hinter dem Mikrofon Ronnie Nyman seine Wurzeln im Hardcore (ALWAY WAR) hat, ist vor diesem Hintergrund mehr als stimmig.
Fast schon thrashiges Tempo trifft auf wütende, angry Vocals und subtile Melodik, die sich auch in Form von Soli oder mitreißenden Melody-Lines entlädt. Der titelgebende Track 'The Puritan' ist dafür ein schönes Beispiel. Für all diejenigen, die über den neuen Bahnstreik mehr als angepisst sind, ist der Song 'With A Blade Of A Knife' wärmstens empfohlen, denn hier macht die schnaufende Riff-Lokomotive mal so richtig Tempo. Hammerriffig geht es auch auf 'Desperate Vows' weiter, zusätzlich auch noch mit einem duetthaften (inklusive Klargesang), melancholischen Refrain und mit einem hohen Maß an Mitreißkraft. Ähnliches gilt auch für 'Endless Night' und 'Foul Vile Live', die neben den donnernden Riffgewittern das Händchen von NIGHTRAGE für aufklarende, sonnige Melodien zeigen, wohingegen 'Stare Into Infinity' darüber hinaus hardcorige Power mit Angryness und einem Hauch von Hymnik verbindet.
Zum Herunterkommen eignet sich das sphärische, akustische, instrumentale 'Lone Lake' (Hätte auch ein Songintro von THE CURE sein können), ehe die Gitarren in 'Son Of Sorrow' in jeder Hinsicht zum orgiastischen Sturm ansetzen, die Vocals mitunter ins Growlige abdriften und der Drummer fast um sein Leben zu knüppeln scheint. Schön düster, aber immer noch geknüppelt geht es mit 'When Gold Turns To Rust' weiter, während bei Fathomless wiederum das Melodische im Vordergrund steht und der Rausschmeißer noch einmal programmatisch für die ungemeine kreative Vielfältigkeit der Schweden steht.
Kurz: Den Schweden von NIGHTRAGE gelingt es auf ihrem sechsten Album, die mannigfaltigen Veränderungen in kreative Energie umzuwandeln und ein Opus zu erschaffen, das vor energetischer Dynamik, kraftvoller Brutalität und mitreißender Melodik nur so strotzt. Melodischer Death Metal at its best!