Die vier Stücke, einfach und schlicht nach den Nummern ihrer Reihenfolge betitelt, entführen in karge, dunkle Landschaften, in denen man sich nur höchst ungern den Elementen ausliefern möchte.
Wie schon auf "Nihil" wartet Mastermind Fredy Schnyder mit einer orchesterähnlichen Besetzung und einer Vielzahl an klassischen, akustischen sowie exotischen Instrumenten auf, welche das, mitunter sehr verstörende, Klangexperiment NUCLEUS TORN zum Leben erwecken. Flügel, Streicher und akustische Gitarren bilden das Grundgerüst der Kompositionen, die den Hörer mit den zarten und betörenden Gesangslinien einer Maria D´Alessandro förmlich einlullen und ihn in der Sicherheit der Belanglosigkeit wiegen lassen, gäbe es da nicht diese fulminanten spannungsgeladenen Ausbrüche, bei denen neben progressiven und verzerrten Gitarren Sänger Patrick Schaad mit seiner klagenden Performance noch einen gewaltigen Hieb draufsetzt. Gerade diese unglaublichen, klassischen Orchesterwerken entlehnten, Spannungsbögen machen den Reiz von "Knell" aus, selbst wenn Patrick Schaad für meinen Geschmack zu sehr im Vordergrund des Mixes agiert, was bei seinem, doch sehr speziellen und vorderndem Gesangsstil oftmals die Grenze des ertäglichen touchiert. Gerade dann klingt die Band wie eine Neo-Folk Version Madder Mortems, auch wenn Vergleiche bei "Knell" einmal mehr ins Nichts zu führen scheinen.
Persönlich können mich NUCLEUS TORN nur selten wirklich packen, trotzdem ist es beeindruckend, mit welcher Selbstverständlichkeit dieses Schweizer Ensemble musikalische Territorien erkundet, unantastbare Grenzen niederreißt, überschreitet und nichts als verbrannte Erde und tote Landschaften hinter sich lässt. Neo-Folk, Klassik, Black und Progressive Metal, NUCLEUS TORN setzen ihre Reise dort fort, wo die meisten Künstler aus jenen Genres selbst Morgen noch vor schier unüberwindbaren Genre-Mauern scheitern werden... Reichtum und bedingungslose Anerkennung wird man dadurch bestimmt nicht ernten, aber dieses Glück ist bisher auch nur wenigen Visionären zuteil geworden.