Wahre Stärke zeigt sich meistens erst in ernsthaften Krisensituationen. Die Folgen von Erschütterungen, Unglück, Tragödien führen zu notwendigen Anpassungs- und Erneuerungsprozessen. Und genau das ist es, was die fünf Südkalifornier unter "Restoring Force" verstehen. Deshalb also dieser Albumtitel. Er steht aber auch für ihren unbändigen Durchhaltewillen als Band, schließlich hatte man des Öfteren schon mit Line-up-Wechseln zu kämpfen. Somit symbolisiert dieser Titel auch den Kampf der Band mit den Unwägbarkeiten des Lebens und der Musikbranche.
Und das ist gut so. Wohin es führen kann, wenn man als Band alles erreicht hat und sich keinerlei Sorgen mehr machen muss, kann man ja zur Genüge bei METALLICA beobachten. Ein Mehr an Uninspiriertheit und Kreativlosigkeit ist kaum denkbar.
Bei OF MICE & MEN ist genau das Gegenteil der Fall. Da trifft ungezähmter Metalcore auf eine melodische Schönheit und die Ergebnisse dieser Liaison können auf dem neuen Longplayer bestaunt und bewundert werden.
Da wird dann mitunter voll auf die Zwölf das Metalcore-Monster losgelassen ('Public Service Announcement'), wobei die aggressive Brutalität immer wieder durch melodische Passagen geerdet wird ('Glass Hearts') oder durch die mittlerweile genretypischen obligatorischen choralen Partien mit Grölcharakter (BRING ME THE HORIZON lassen grüßen) abgemildert wird. Dabei sind es gerade diese hymnischen und epischen Passagen, die den Sound von OF MICE & MEN zu einer besonderen Dynamik und Schwunghaftigkeit verhelfen.
Daneben finden sich aber auch nahezu radiotaugliche Schmachthymnen, die Emo-Mädchen bei Liebeskummer hören können ('Fells Like Forever'). Ein Highlight ist sicherlich das dynamisch kraftvolle und zugleich zerbrechlich leidende' Another You', eine Metalcore-Powerballade par exellence. Noch um einiges ruhiger kommt der Rausschmeißer 'Space Enough To Grow' daher. Gefühlvoll alternative angehaucht!
Kurz: Mit "Restoring Force" haben OF MICE & MEN ein erstes Highlight für das Metalcore-Jahr 2014 erschaffen. Ob die anderen Genre-Größen dieses Opus toppen können, bleibt abzuwarten...