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Richie Sambora - Aftermath Of The Lowdown

VÖ: 03. Oktober 2012   •   Label:  Aggressive Music/ADA-Warner
Wer sich mal Liveaufnahme aus der „New Jersey“ – „Keep The Faith“ Interimszeit anhört, der wird schnell feststellen, dass Richie Sambora im Vergleich mit seinem Brötchengeber der deutlich bessere Sänger ist und auch in Sachen Songwriting konnte Jons Soundtrack zu „Blaze of Glory“ in keinster Weise mit dem genialen Solodebüt Samboras mithalten. „Stranger in this Town“ gehört für mich heute noch zu den besten Blues-Hardrock Alben aller Zeiten. Die Singleauskopplung „Ballad of Youth“ überzeugt heute noch genauso wir vor 21 Jahren. Aber gerade die langsamen, gefühlvollen, bluesigen Stücke wie „Father Time“, „One Light Burning“ oder „Stranger in this Town“ zeigten, dass Richie ein begnadeter Sänger ist. Dazwischen sorgten die schmissigen Titel wie „Rosie“ oder „Mr. Bluesman“ für die nötige Abwechslung – in jeder Hinsicht ein gelungenes Album also. Etwa 7 Jahre später überraschte Sambora dann mit seinem Zweitwerk namens „Undiscovered Soul“, welches eben dies enthielt: viel Seele! Weniger kohärent als der Vorgänger, boten sich dem Hörer rockige Nummern („Made in America“), die im Stile von Bruce Springsteen gehalten waren, bluesige Rocknummern wie „If God was a woman“ und Balladen. Sambora zeigte schon damals, dass er sich nicht kopieren muss, um ein gutes Album aufzunehmen.

Nun sind 14 Jahre vergangen, der Rocker hat privat unangenehme Zeiten durchgemacht und seine Erfahrungen offenbar auf „Aftermath of a Lowdown“ in Musik verwandelt. Der Opener „Burn That Candle Down“ verlangt dem geneigten Sambora Fan schon eine gehörige Portion Toleranz ab, klingt der Song doch mit seinen schrammligen Gitarren und scheddrigen Drums eher nach den Foo Fighters oder Soundgarden als nach dem bluesigen Sambora, den man so liebt. Entsprechend war mein erster Gedanke, als ich die CD eingelegt habe: „Oh Gott, was macht der denn jetzt für eine Scheiße.“ Doch so schnell darf man die Flinte nicht ins Korn werfen. Selbst dem Opener lassen sich nach einigen Umdrehungen eingängige Melodien entlocken. Und das Album zeigt sich im weiteren Verlauf sehr abwechslungsreich. Songs wie „Seven Years Gone“ oder „You Can Only Get So High“ erinnern vielleicht am ehesten an „Undiscovered Soul“ Zeiten. Aber auch wenn Sambora in der Ballade „World“ zeigt, dass er songwriterisch im 21. Jahrhundert angekommen ist, so transportiert der Song doch eine tolle Atmosphäre. „Nowadays“ dürfte jedem Hörer des amerikanischen Alternative Radios bestens gefallen, mir gibt der Song wenig, auch wenn er so nebenbei ganz nett hörbar ist. Auch „Sugar Daddy“ ist modern und fast etwas punkig ausgefallen, trotzdem gutklassig. Mir gefällt Sambora aber am besten, wenn er sich auf seine Wurzeln besinnt, wie etwa in „Taking A Chance On The Wind“.

„Aftermath of a Lowdown“ ist im Vergleich mit den beiden Vorgängeralben deutlich schwerer zu verdauen, was vor allem daran liegt, dass Mr. Sambora offenbar nicht daran interessiert war Songs für Andere zu schreiben, sondern das zu Papier gebracht hat, was im gerade unter den Nägeln brannte. Insofern kann ich mit dem Drittwerk gut leben, bezweifele aber, dass ich es 21 Jahre nach der VÖ noch ebenso oft aus dem Regal ziehen werde wie ich es heute mit „Stranger in this Town“ tue.

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