Scream Your Name - Scream Your Name
Ein Blick auf das Cover scheint meine schlimmsten Befürchtungen zu bestätigen. Wieso fragt ihr jetzt. Da sind doch drei hübsche Mädels zu sehen. Nun ja, das Cover würde mir auch gefallen, wenn man sich auf diese Damen beschränkt hätte. Dem aufmerksamen Beobachter dürfte aber nicht entgangen sein, dass die ungetrübte Sicht auf die holde Weiblichkeit durch vier junge Männer verstellt ist, die noch zu dem auf Omas guter Sofagarnitur sitzen. Schlussendlich beschleicht mich das Gefühl, dass die vier gestylten Jungs hier offenbar nach Abschluss der Dreharbeiten zur schweizerischen Version von DSDS in einem Kellerraum vergessen worden sind. Doch wir wollen nicht zu früh urteilen, wenden wir uns erstmal der Musik zu.
Der Opener „24/7“ ist ein moderner Core-Punk Song, der aber gar nicht so übel ist. Natürlich verzichtet man nicht auf die obligatorischen Wechsel im Gesangstil, trotzdem ist der Song ordentlich gemacht und auch ich als Metalcore-Antichrist kann mir den Song ohne chmerzen gut anhören. „Waste Myself“ erinnert mich ein wenig an die Amis von P.O.D. . „Underrated“ könnte problemlos im amerikanischen Collegeradio laufen und auch hierzulande dürfte die Violence-Dance Fraktion die Tanzflächen der Teenie-Dissen bevölkern. Was die kleine „Dance-Musik“ Einlage in dem Song soll, weiß aber wohl nur H.P. Baxter alleine – Metalcore ist ja schon schlimm genug, aber wenn die Leute (so wie BREATHE CAROLINA) nun noch anfangen uns Dancefloor als eine Metalspielart zu verkaufen, dann sage ich entschlossen: „Friends, Romans, Countrymen“ leistet Widerstand!
Na ja, liebe Kinder, nun lasst euch aber von dem alten Metalonkel nicht alles vermiesen. Unterm Strich haben die Eidgenossen doch wohl ein gutklassiges Metalcore Album abgeliefert, welches Szenegängern durchaus gefallen dürfte. Immerhin sind die Jungs um Abwechslung bemüht und sie haben auch die ein oder andere gediegene Melodie geschrieben. Und wie sagten schon die Freggels? „Und hat’s dir nicht gefallen, dann bohr dir doch ein Loch ins Ohr“… oder so ähnlich! Die Kollegen Hübner und Zosse dürften SCREAM YOUR NAME wohl mehr abgewinnen können als ich es tue, doch auch ich muss der Band attestieren, dass ich schon deutlich schlimmere Bands gehört habe. Immerhin ist das Quartett hier und da bemüht auch mal Elemente des traditionellen Westcoast Punks, Hardcores oder des frühen Crossovers zu verbraten. Na ja, und am Ende des Tages ist es ja doch ganz schön, dass es eben für jeden Stil auch irgendwie einen Hörer gibt.
Ob man die Scheibe nun braucht, kann ich nicht so wirklich beurteilen, daher gebe ich hier auch keine Punkte, da mir das Genre dafür doch zu fremd ist. Und ich weiß dann auch immer noch nicht, wessen Namen die Herren denn nun eigentlich rufen…und warum?