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Star One - Victims Of The Modern Age

VÖ: 29. Oktober 2010   •   Label:  InsideOut / EMI
28. Oktober 2010

Neben seinem etablierten Hauptprojekt AYREON existiert inzwischen eine ganze Reihe verschiedener Nebenprojekte, in denen er einzelne seiner musikalischen Facetten stärker betont. Deutlich schwermetallischer gefärbt als AYREON, stellte STAR ONE darunter allerdings zunächst eine einmalige Geschichte dar: die Vertonung einer Reihe von Scince-Fiction-Filmen, die Lucassen stark beeindruckt hatten, vorgetragen von einer Riege ausgewiesener Top-Sänger, deren gesangliche Fähigkeiten den Songinhalten entsprechend passend eingesetzt wurden. Unter Mitwirkung von Dan Swanö (EDGE OF SANITY, NIGHTINGALE), Russel Allen (SYMPHONY X), Damian Wilson (THRESHOLD) oder Floor Jansen, der Fronterin der mittlerweile aufgelösten AFTER FOREVER, entstand 2002 so etwas wie ein moderner Klassiker, der augrund seines originellen Konzeptes auch genrefremde Hörer begeistern konnte. Und das, obwohl die sphärischen, verträumten Passagen, die AYREON beispielsweise auszeichnen, deutlich in den Hintergrund traten und Platz für ein überwiegend aggressies, treibendes Riffing frei machten. Acht Jahre später kommt es nun mit "Victims of the Modern Age" zur Fortsetzung. Die Anknüpfung geschieht nahtlos: so sind die Vokalisten die gleichen geblieben, im Zentrum wiederum Swanö, Allen, Wilson und Jansen. Inhaltlich stehen diesmal überwiegend SciFi-Geschichten im Mittelpunkt, die auf der Erde spielen und dystopische Visionen der menschlichen Zukunft beschreiben. Welche Filme Pate standen, sei an dieser Stelle nicht verraten - düster sind sie (und damit schließt sich der Kreis zum Vorgängeralbum) fast alle, was sich natürlich auch musikalisch wiederspiegelt. Nach dem komplett synthetischen, Spannung verheißenden (und sarkastisch-optimistisch wirkendem) Intro tragen Allen und Wilson mit "Digital Rain" eine eingängige Neuauflage von "Master of Darkness" vor. Besonders das straighte Riffing, der Dialogcharakter und sogar die Wortwahl erinnern an die auf "Space Metal" verewigte Star Wars-Interpretation. Auch im weiteren Verlauf zeigt sich durchgehend die Ähnlichkeit der auf "Victims" versammelten Titel oder zumindest größerer Passagen zu jenen auf dem Vorgänger oder neueren Ayreon-Veröffentlichungen (das bedrohlich im Hintergrund wabernde "digitale Digeridoo" auf dem Titeltrack beispielsweise dürfte aus "The human equation" bekannt sein). Es macht indes wenig Sinn, Lucassen deshalb Ideenlosigkeit vorzuwerfen: zum einen, weil die Songs bei allen Anlehnungen immer noch einzigartig genug sind wie das gesamte AYREON-Universum an sich. Und: eine Fortsetzung war ursprünglich gar nicht geplant, sondern dürfte maßgeblich aufgrund entsprechender Wünsche der Hörerschaft zustandegekommen sein. Was läge da näher, als jener zu geben, wonach sie verlangt? Fans der ersten Scheibe oder neuerer AYREON-Veröffentlichungen kommen somit in jedem Fall voll auf ihre Kosten. Wer nichts davon kennt, tastenlastigen, progressiven Metal mit starkem Eigencharakter und interessanten Lyrics aber zu schätzen weiß, sollte ebenfalls ein Ohr riskieren. Und wem Lucassen's Output von je her zu elektronisch daherkam, der wird darauf verzichten können. Für mich, der ich mich zur ersten Gruppe zähle, bleibt auf jeden Fall zu hoffen, dass dies nicht die letzte Veröffentlichung unter dem Namen STAR ONE gewesen sein wird, auch wenn der letzte, den sphärischen Geist des "Star Child" atmendende neunminütige Track mit "It all ends here" betitelt sein mag. Reichlich inhaltliche Vorlagen, zu denen sich eine musikalische Verwertung anbieten würde, gibt es ja noch - man denke nur an neuere Meisterwerke wie Inception oder Moon. Zum anderen würde das Probem vieler von vorn herein als solche konzipierten SciFi-Trilogien wohl wegfallen - der Durchhänger beim zweiten Teil. Den haben die Weltraummetaller mit der vorliegenden Veröffentlichung jedenfalls gekonnt vermieden.

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