Tanzwut - Schattenreiter
Es sollte wirklich schwer fallen, dieses vor frische nur so strotzende Album nicht zu mögen. Geschweige denn, eine der beiden CDs wieder aus meinem Abspielgerät herauszunehmen. Ja, richtig gehört, eine Doppel CD haben Teufel und Co. produziert, und zwar keine dieser Eine-CD-plus-Bonus-CD Sachen, sondern zwei echte Longplayer, der zweite sogar mit einem schönen Video dazu. Da war für mich schon mal der erste Punkt zum Staunen. Alle 18 Titel sind qualitativ hochwertig produziert, natürlich in den eigenen Tanzwut/Corvus Corax Studios, und für die Aufnahmen der „Toccata“ von Johann Sebastian Bach suchte man gar extra eine Berliner Kirche auf. So, nun zum künstlerischen Teil... An Vielfalt mangelt es den sieben Mannen wahrlich nicht. Das Spektrum der Gruppe reicht von fast schon bluesigen Rock ’n’ Roll Nummern („Im tiefen Gras“) über harte Uptempo-Stücke („Vulkan“) bis hin zu Werken, die schon sehr in Richtung Hardcore gehen („Geisterstunde“). Doch wo andere in heilloses Chaos und Durcheinander verfallen, schaffen Tanzwut es immer wieder, ihre ganz persönliche Note durchklingen zu lassen, sodass man bei jedem Lied weiß, wer da die Saiten schlägt (die Trommel rührt, die Pfeife bläst, die Stimmbänder strapaziert, etc). Hier spielt, wie immer, der Dudelsack eine nicht unerhebliche Rolle. Die Sackpfeife hat immer und überall zumindest ein paar kleine Passagen zu spielen und somit zum Glück nichts von seinem hohen Stellenwert in der Komposition eingebüßt. Es scheint relativ egal zu sein, in welchen Hintergrund man das Instrument einbettet, irgendwie klingt es immer passend und es erzeugt eine Atmosphäre, die mich immer an Lagerfeuertänze erinnert. Die Mischung von alt und neu ist jedenfalls mal wieder voll und ganz überzeugend. Auch wenn Tanzwut mit Schattenreiter eindeutig einen härteren Gang eingelegt haben, der Rhythmus steckt den Jungs einfach im Blut. Was auch immer angesagt ist, der Kopf wippt schon automatisch mit, selbst beim ersten Durchlauf. Welcher der Songs nun Ohrwurmcharakter hat, ist schwer zu sagen, da irgendwie jeder ein Kunststück für sich ist. Der eine wird diesen, der andere jenen Song bevorzugen. Wie gesagt, an Stilvielfalt mangelt es hier nicht. Zuwachs hat die Band im übrigen auch bekommen: Ardor, ein weiterer Mann am Dudelsack. Somit bleibt mir nur zu sagen, dass Tanzwut mit diesem Werk einen weiteren, großen Schritt nach vorn gemacht hat. Eigentlich kann jeder mal einen Blick drauf werfen, der auch nur entfernt auf Dudelsäcke und Metal steht – diese CDs müssen gefallen. Fans von Tanzwut kommen sowieso nicht drumrum, sich die Scheibe zuzulegen...(Lennart von Schwichow)