The Devils Blood - The Graveyard Shuffle
rden). Ergo krümmte sich mein masochistisches Trommelfell schon in schmerzlicher Vorfreude, als „The Graveyard Shuffle“ auf den Speiseplan rückte. Doch manchmal kommt es dann auch ganz anders…
…denn während die Scheibe anfangs noch das Schlimmste erwarten ließ, entpuppt sie sich bald als harmlose 80er-Rock-Platte. Und zwar gar keine üble! Zwar sind The Devil’s Blood ein wenig spät dran mit dieser Art von Musik, aber lieber spät als nie. Gegründet haben sie sich 2006 in Eindhoven, Holland, spielen aber in den Fußstapfen von Black Sabbath mit einem gehörigen Schuss mehr Melodie und Psychedelic-Einschlag. „The Graveyard Shuffle EP“ ist nach dem 2007er Demo die zweite Veröffentlichung der Band überhaupt und läuft unter dem Label „rituelle, okkulte Rockmusik“. „Okkult“ sind an der Band (die sich eigentlich als „Kult“ bezeichnet) aber allerhöchstens die Namen der Mitglieder: Denn die haben sich so spannende Namen wie „F. The Mouth of Satan“, „S. L.“, „W. P.“, „J. B.“, „B.“ und „T.“ gegeben – mit dem Verweis darauf, der „Kult“ sei wichtiger als individuelle Namen (so die offizielle Myspace-Seite).
Warum man sich derart hinter kryptischen Initialen verbarrikadiert, ist mir dennoch schleierhaft. Für ihre Musik muss sich die Band eigentlich nicht schämen. Denn wenn man von dieser lächerlichen Ernsthaftigkeit absieht, ist „The Graveyard Shuffle“ eine durchaus hörenswerte Schallplatte. Ja, liebe Kinder des 21. Jahrhunderts, so was gibt es noch! Einziges Zugeständnis an das neue Millenium ist wohl die Produktion, welche mit einem angenehm klaren, frischen Sound aufwartet, statt die Aufnahmen künstlich auf Retro zu frisieren und dem blechernen Ächzen und Knarzen mancher 80er-Scheibe nachzueifern. Allein das Schlagzeug hat beim ersten Track seine Schwierigkeiten, und die Toms klingen, als seien sie gegen Plastikeimer ausgetauscht worden.
Die zwei Titel der 7“-Platte bieten recht unterschiedliche Stimmungen an. „A Waxing Moon over Babylon“ startet mit leicht schauriger Athmosphäre, setzt dann mit verträumten, hellen Gitarren ein, bis dann eine hübsche, weibliche Stimme zu singen beginnt (ist es „F.“? Oder doch etwa „S. L.“? Vielleicht auch „W. P.“?). Der Song passt tatsächlich gut in eine Mondnacht; textlich soll hier wohl ein Beschwörungsritual beschrieben werden, und in der Tat haben die sich wiederholenden Melodien etwas Rituelles, das aber nach wie vor rockig bleibt.
Rockig wird es vor allem beim Titeltrack, „The Graveyard Shuffle“. Hier dürfen es die Gitarren etwas mehr krachen lassen, und auch die Dame wechselt von sirenenhafter Stimmlage in beschwingtere Gefilde. Auch dieser Titel ist hübsch zu hören und bringt den ein oder anderen Fuß zum wippen – dann ist „The Graveyard Shuffle“ schon durch.
Am Schluss bedaure ich ein wenig, dass es nur zu einer EP gereicht hat. „The Devil’s Blood“ könnte ich mir durchaus länger antun – die Band hat Potential, das merkt man schnell, und vielleicht lohnt es sich, in den kommenden Jahren nach einem Vollzeit-Album Ausschau zu halten? Über das eigenartige Gehabe der Truppe kann man auch dann glücklicherweise hinwegsehen. Wer ein Fan von 80s Rock ist kann hier aber auf jeden Fall ein Ohr riskieren.