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Totenmond - Der letzte Mond vor dem Beil

VÖ: 18. August 2016   •   Label:  Massacre Records

„Willst du die besprechen oder soll ich das machen? Also 15 oder 0 Punkte?“ mit diesem Satz leitet Kollege Zwingelberg mir den Link zu neue TotenmonD weiter. Allein das spricht für das Trio: Es polarisiert und man liebt sie oder kann nichts mit ihnen anfangen. Ich finde sie weiterhin großartig. In Zeiten, in denen Bands wie AMON AMARTH oder SABATON die Grenzen zwischen Schlager und Metal auflösen und das Ganze noch mit Fernsehwerbung vom Label unterstützt wird, sind Bands wie TontenmonD wichtig für die Szene. Erinnern sie doch daran, dass es auch um Provokation und Abgrenzung vom Mainstream geht/ging.

TotenmonD waren, sind und bleiben wohl eine der radikalsten Bands im Metal, das gilt nicht nur für ihren von Anfang an brachialen Sound. Bereits das Debüt ´Lichtbringer´ bot 1996 sehr schwer zugängliche Kost. Auch von der Einstellung her sind TontenmonD kompromisslos. Sie spielen, was sie wollen und auch live, wann und wo sie wollen. Daher bin ich auch gespannt, als ich den neuen Longplayer anmache. Düster, kalt und fies kriecht der Sound gleich zu Beginn aus den Boxen. Ich hoffe, dass es sich beim Sample um Regen handelt und die Band nicht die auf ´Thronräuber´ besungenen Sonnenstrahlen aufgenommen hat. Wie dem auch sei, der sich geschickt steigernde erste Song ´Die Entheiligung des blasphemischen Josef und der ewige Regen´ stimmt perfekt auf das Album ein.
Danach liefert ´Hölle mit Hof ´genau dass, was ich auf ´Thronräuber´ vermisst habe: Fetten, bösen Crust. Wer Songs wie ´Honigtraum´ oder ´Sagenwelt´ mag, wird den Track lieben. In diese stilistische Kerbe haut auch ´Zu den Waffen´ mit aller Macht - eine wahre Crustbombe. Auch textlich geht es weiterhin eindeutig zu Sache. Passagen wie „Gott ist eine Hure, die jeder ficken darf, der die das tief sich duckt und zahlt“ sind mir lieber als dahingekreischtes Hail-Satan-Gedöns. Pazzer liefert über die gesamte Scheibe mal wieder eine herausragende Leistung ab. Wer denkt, James Hetfield habe sich das innere „Angry Kid“ bewahrt, sollte sich diese düster aggressiven Vocals anhören und noch mal in sich gehen.
Insgesamt ist das neue Album wieder rockiger, was mir gut in den Kram passt. Die Blastbeats mussten dieses Mal draußen bleiben. TotenmonD liefern auf diesem Album alles, was sie schon immer ausgezeichnet hat. ´Giftköder´ ist eine herrlich düstere Doomwalze, die alles unter sich begräbt, was versucht, Widerstand zu leisten. Und besonders bei ´Kehrwoche´ kommt wieder diese kranke Stimmung auf, wie sie sonst eigentlich nur CARNIVORE oder TYPE O NEGATIVE auf ´Slow Deep And Hard´ erzeugen konnten. Aber auch in einem andern Punkt bleiben sich die Backnanger treu: Es gibt Klänge, die man so noch nie von ihnen gehört hat. Gitarren wie bei ´Blut auf Krank´ gab es bisher nicht. Und noch etwas ist neu: Mit ´Into the Fire´ gibt es erstmals einen englischsprachigen Track, wenn auch nicht aus eigener Feder. Das Original stammt von DEEP PURPLE. TotenmonD erfüllen meine Anspruch an ein Cover völlig. Das Original bleibt erkennbar, bekommt gleichzeitig den ganz eigenen Stil aufgedrückt. Die Wahl überrascht mich doch, hatte ich die Wurzeln der drei doch eher bei den Tracks gesehen, die auf ´Auf dem Mond ein Feuer´ nachgespielt wurden. Na ja, es ist ja an sich nur konsequent sich nun in selbiges zu begeben.

Nach dem Verlust von MOTÖRHEAD und PETER PAN SPEEDROCK war mir schon etwas mulmig um den Weiterbestand der Mittelfinger-Power-Trios. Aber TotenmonD sichern das Fortbestehen dieser Art eindrucksvoll. Die sogenannte Szene wird die bösesten Punks der Welt aber wohl nie domestizieren können - gut so.

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