„I-Dentity“ ist bereits das dritte Album der Eidgenossen und wenn man dem digitalen Blätterwald glauben darf, so hat sich die Band doch hörbar weiterentwickelt. Die 13 Songs bewegen sich allesamt in den Grenzen des melancholischen Rocks, wobei verschiedene Schattierungen geboten werden. Im Grunde wäre dies also etwas für den Kollegen Lison, welcher als Fan der jammervollen Musik bekannt, aber leider auch gerade außer Haus ist. Ob THE CULT, DANZIG, H.I.M. oder THE NEFILIM, TRIBAL fischen mal mehr in dem einen, mal mehr in dem anderen Gewässer. Dabei sind die Songs keinesfalls alle von der selben Qualität: „Hardcore“ etwa nervt mich persönlich ein wenig und bewegt sich doch eher auf dem Level ambitionierter Jugendclubmusiker. Ihre Stärken hat die Band wenn sie den Holzhammer auspacken und gleichzeitig tief in die Melancholie-Schublade greifen, hier fühlt sich Sänger Greg Bailey auch hörbar am wohlsten, wohingegen an anderen Stellen schon gewisse gesangliche Grenzen hörbar sind. „Spiral of Insanity“ ist für mich einer der stärksten Songs des Albums, der auch Freunde von THE NEFILIM oder THE 69 EYES begeistern könnte – dies gilt auch (mit einigen Abstrichen) für „Liberation“ oder „I-Dentity“. Am Ende bestätigt das abwechslungsreiche „Past-Present-Future“ diesen Eindruck abermals und ein Blick in meine Glaskugel sagt der Band eine Zukunft in diesem härteren Bereich des Gothic Rock voraus. Die viel zitierten Einflüsse des amerikanischen Rock höre ich nicht so raus, denn Bands wie STAIND, 3 DOORS DOWN & Co unterscheiden sich im Songwriting dann doch zu sehr von den Schweizern.
Letztlich bleibt ein Album mit Licht und Schatten und die eigene Identität scheint mir eben noch nicht ganz gefunden zu sein. Mit über einer Stunde Spielzeit hat man einen ordentlichen Batzen Musik auf den Markt geworfen, doch man geht auch die Gefahr ein, dass der Hörer stellenweise den roten Pfaden verliert. Für mich hätte ein kürzeres Album, auf dem man sich auf die Kernkompetenzen der Band (nämlich den härteren, melancholischen Rock) konzentriert, mehr Sinn gemacht.
Aber wie es eben so ist: hat man das Kind 9 Monate in sich getragen, liebt man es am Ende wohl doch – mit allen Fehlern und Schwächen.