Ein Glück, dass man ab und zu auch positive Überraschungen in diesem Genre erleben darf. Der Vierer um Frontmann, Sänger und Gitarrist Heri Joensen legt mit „Eric the Red“ den Rerelease seines zweites Werk über Napalm Records vor. Und der schlägt musikalisch eben nicht in dieselbe, abgewetzte Kerbe, in der andere Viking Bands sich verheddern und darin ihre geliebten Äxte abstumpfen lassen. Dabei sind Týr – jedenfalls geografisch – absolute Außenseiter: Die vier Herren stammen von den Faroer-Inseln (für geografisch weniger gut Betuchte: Eine kleine Inselgruppe mitten zwischen Großbritannien und Island), umgangssprachlich gern einmal als Anus der Welt bezeichnet. Einen Vorteil muss der frostige Wohnort jedoch haben: Traditionelle Klänge überwintern dort länger die Zeit, als andernorts. Und der Einheitbrei des Festlands ist Seemeilen entfernt…
Textlich wie auch musikalisch stützt sich Vieles auf alte faroeische oder skandinavische Weisen, welche Týrs Sound sofort etwas Authentisches, Fremdländisches und Nordisches verleihen. Besonders dann, wenn in Landessprache gesungen wird, werden Týr nicht nur „gesprächicher“ – auch die Lieder erhalten eine zusätzliche Tiefe und Magie, welche dem Album etwas ganz Besonderes verleiht. Alle vier Musiker zeichnen sich nicht nur durch brillante Beherrschung ihrer Instrumente aus: Immer wieder wird in den Songs die ganze Mannschaft zusammengetrommelt, um Chöre anzustimmen, die Henri Joesen in seinem durchweg cleanen Gesang noch um ein vielfaches unterstützen. Auch stimmungstechnisch bekommen Týr so ziemlich alles hin, was sie sich vorgenommen haben: Von den bereits angesprochenen, beschwörenden Chören und epischeren Momenten über und Partylieder („The Wild Rover“) bis zu härteren, schnelleren Nummern („Ólavur Riddararós“), in denen jedoch zu keinem Zeitpunkt Screaming oder Growling zum Einsatz kommt. Was auch fehl am Platze wäre und die hochkarätigen Lead-Gitarrenmelodien wohl zunichte machen würde.
Einen kleinen Knick erhält das Album lediglich gegen Ende, wo die Tracks deutlich schwächer werden, vielleicht auch deswegen, weil man das stärkste Pulver bereits zu Anfangs verschossen hat. Zurück bleibt jedoch ein starker Eindruck und ein unwillkürlicher Druck auf die „Repeat“-Taste des Players. Mit „Eric the Red“ ist Týr ein gelungenes und sehr eigenes Album gelungen, das – im Gegensatz zum Debut – nun auch auf dem Festland gebührend Gehör finden wird.
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