Musikalisch hat man sich noch ein Stückchen von den traditionellen Death Metal Wurzeln entfernt, was sich auch am etwas trockeneren und moderneren Gitarrensound zeigt. Allerdings verweisen Riffs wie in „Manifest of Hate“ durchaus noch eher auf die skandinavischen Länder als auf die Thrash Metal Hochburg an der amerikanischen Westküste. Wie gehabt setzt der Fünfer auf eine ausgewogene Mischung aus rasanten Passagen und kraftstrotzenden Mid-Tempo Riffs, die stellenweise an Bands wie ARCH ENEMY erinnern (z.B. „Killing Fantasies“). Während die Band selber produziert hat, zeigt sich Elchtotlegende Dan Swanö für das Mastering verantwortlich.
Während mir beim „Reflections of Pain“ Album noch Referenzen wie „Extreme Aggressions“ in den Sinn kamen, finde ich anno 2014 keine echten Parallelen zum deutschen Thrash Metal Triumvirat (KREATOR, DESTRUCTION, SODOM) mehr. Was geblieben ist, ist eine aggressive Melange aus Brutalität, Kraft und Melodien wie man sie eben bei Bands wie ARCH ENEMY, ARMAGEDDON & Co findet (z.B. das atmosphärische "The Meaning of Isolation"). Mit „The Meaning of Isolation“ setzten VERDICT dazu an, sich in die Liga der ganz Großen zu katapultieren. Und während man technisch durchaus bei den Großen mitspielen kann, kommt mir letztlich der Wiedererkennungswert der Songs etwas zu kurz. Das bedeutet zwar nicht, dass die Schwaben bei Mitstreitern klauen würden, sondern eher, dass mir die musikalischen Harken fehlen, die sich im Gehörgang festsetzten und mich sofort wissen lassen, dass ich gerade VERDICT höre. Es wird sich also zeigen müssen, ob das Songwriting genügend Wiedererkennungspotential hat, um sich im unüberschaubaren Mehr der Veröffentlichungen durchsetzen zu können.
Kurz: Auf der Habenseite findet der Käufer bei VERDICT auch 2014 brutalen Thrash-Death Metal mit guten Gitarrenmelodien und fettem Sound. Dem steht auf der Sollseite entgegen, dass es den Songs auf „The Meaning of Isolation“ am letzten Quäntchen Alleinstellungsmerkmal fehlt. Aber entscheidet selber, denn eins ist klar: Qualität wird definitiv auch auf dem vierten Album abgeliefert. Und Qualität setzt sich ja am Ende bekanntlich immer durch!