"Jedem Anfang wohnt ein Zauber inne", an diese hehren Worte von Hermann Hesse scheinen sich auch einige ehemalige Mitglieder von DISPOSED TO MIRTH erinnert zu haben, als sie in diesem Jahr ein neues Bandprojekt unter dem Namen VITJA aus der Taufe gehoben haben.
Noch nicht einmal ein Jahr als Band zusammen und schon haben die vier Mannen von VITJA eine Schneise der musikalischen Verwüstung hinterlassen, auf der so schnell nichts mehr wächst. Denn eine Tour mit MARTYR DEFILED, die Single 'Conversations' sowie ein von der Kritik sehr wohlwollend aufgenommenes Video zum Song 'Sleeping in snow' konnten einen jeden auf den ersten Longplayer einstimmen.
Wer noch zarte und empfindliche Hörnerven sein Eigen nennt, der sollte von dem Debütalbum "Echoes" die Finger lassen. Denn anders als es der Titel "Echoes" suggeriert, kommen einem schon bei den ersten Takten sicher nicht grüne Wiesen auf hohen Bergen und eine holde Maid im Dirndl in den Sinn, die in die Berge des Echos wegen hineinruft, bevor sie Rainer Brüderle an die Almhüttenbar einlädt.
Vielmehr schießen Assoziationen von ungestümer Brutalität, ungebändigter Aggressivität und ungezügelter Härte wie millionenfache Blitze in unseren Denkmuskel. So "wie wenn einer mit der Kettensäge hintenrein reicht" da nicht aus. VITJA schroten nämlich auf einem technisch kaum erreichten Level, als ob es kein morgen gäbe. David Beule shoutet nahezu ununterbrochen, so dass man fast glauben könnte, es ginge um sein Leben. Groovige deathmetallige Anleihen und eine Invasion von Blastbeats lassen Ruhepausen nicht wirklich aufkommen, wenn man einmal von 'Paralyzed' absieht. Modern anmutender progressiver Deathcore eben.
Wäre Sheldon Cooper ein Doktor der Krachforschung, er würde auf 'Echoes' wahrscheinlich ein ergiebiges und fruchtbares Betätigungsfeld für eine Habilitation finden und auch die unterschiedlichsten Nuancen heraushören. Dafür wurde ja auch Starproduzent Aljoscha Sieg verpflichtet.
Ich als bornierten, engstirnigen und nicht über den Tellerrand hinausschauenden Laie kann aber mit dieser Musik so rein gar nichts anfangen. Weder erschließt sich mir eine Variabilität der Songs, noch das von der Promotion angepriesene Meisterhafte. Aber vielleicht ist das der Sound der Jugend und ich bin einfach zu alt.