Vixen - Live & Learn
Das schlicht Vixen betitelte Debut, auf dem u.a. Richard Marx und Jeff Paris Songs beisteuerten, war eine absolute Bombe und passte 100%ig in den Big Hair Boom der späten 80ger Jahre. Songs wie "Edge Of A Broken Heart", "Love Made Me" oder "Cyrin'" sind unumstößliche Monumente der großen Haarspray-Rock Zeit. Der 1990ger Nachfolger "Rev It Up", auf dem neben Titeln von Hardrocklegenden wie Steve Plunkett wesentlich mehr Songs aus der Feder der Füchsinnen stammten, konnte nicht nur an den Erstling anknüpfen, nein mit Hits wie "Rev It Up", "Fallen Hero" oder "How much Love" stellten die vier Mädels eindrucksvoll unter Beweis, dass sie zurecht abgefeiert wurden.
Dann schienen sich die Damen aber als Zicken im Fuchspelz zu entpuppen: die Folge war der Splitt 1991, böse Worte auf allen Seiten und eine Reunion 1998. Auf dem wenig überzeugenden "Tangerine" Album fehlte neben Pedersen vor allem Gitarristin Jan Kuehnemund und das Thema Vixen hatte sich so auch schnell und ohne viel Aufheben wieder erledigt.
2001 kam es dann jedoch doch noch zu einer Reunion. Doch schon auf der ersten Tour drehte sich das Besetzungskarusell wieder und jetzt ist vom ursprünglichen Line Up lediglich Kuehnemund übrig.
In dieser Zusammensetzung haben die vier Damen nun das Studio geentert und "Live & Learn" eingespielt. Während Bela B. in den 90gern noch im Metal Hammer sagte, dass er nicht glaube, dass die süßen Mädels die Songs selber einspielten, so dürfte darüber jetzt kein Zweifel mehr herrschen. "Life is too short, to live too fast" scheint das philosophische Thema der Scheibe zu sein und lässt mich zu Beginn der Scheibe bereits die Stirn kraus ziehen. Dann folgt mit "Anyway" ein Song, dessen ersten Töne bestenfalls nach Oberstufenband des örtlichen Gymnasiums klingt. Allein der wummernde Bass macht jedem im Haus der Jugend produzierten 500 Marks Demo der 80ger alle Ehre. "Oh Gott", habe ich da nur gedacht. "Hätten sie die Erinnerungen mal lieber ruhen lassen."
Doch Gott sei dank wird die Muckie besser und schon "Live & Learn" ist besser, "I Try" lässt mich dann die anfängliche Enttäuschung fast vergessen und "Pacifist" schließlich ist ein gelungener Rocksong.
Insgesamt ist "Live & Learn" eine solide Rockscheibe, die allerdings in keinster Weise an pompöse und glamoröse Produktionen wie "Vixen" oder "Rev It Up" heranreichen. Statt an Big Hair Hardrock erinnert die Scheibe an das, was die Amerikaner "Singer and Songwriter" Musik nennen. Auch optisch wirken die mittlerweile recht moppeligen Amerikanerinnen oft eher ein wenig wie eine Hausfrauenband, die es nach drei gescheiterten Ehen nochmal wissen will: raus aus der Provinz, mit dem VV Bus auf die Straße, der Freiheit entgegen. Be it as it may: damals sah man sich die Bilder der Band an und sagte: "Scheiß drauf wie die Mucke ist, die Mädels können die engen Lederklamotten tragen!" Dann war man dafür um so überraschter, dass man die CD auch ohne Bilder hätte kaufen müssen. Heute denkt man sich: "Na ja, der Lack ist ab. Müssen die engen Klamotten und kurzen Röcke sein? Hoffentlich ist wenigstens die Mucke geil!" Was bleibt ist aber eher ein halbgares Gefühl: Jan Kühnemunds Gesicht sieht man noch an, dass sie mal ein heißer Feger war und ebenso verhält es sich mit der Mucke: die Songs haben viel Gutes, der Lack ist aber ab. Ein solides, vielleicht erwachseneres Album (wie man so schön sagt) als die Vorgänger, aber dafür nicht so geil. Trotzdem besser als das quatschige "Tangerine". Hört es euch auf jeden Fall mal an, wirklich enttäuscht dürfte man als Freund der guten Rockmusik nicht sein, war ein Album wie "Rev It Up" ja wohl ohnehin nicht zu erwarten.
Bleibt nur eine Frage: "Hat die Kuehnemund wohl eine Tochter?"