Vyre - The Initial Frontier Pt. 1
Wie das Handwerk dieses Subgenres richtig ausgeübt wird und man sich von der angesprochenen Negativnorm abwendet zeigt die vorliegende Langrille. So wende ich mich mit diesem Gedanken der Band Vyre zu, welche sich aus ehemaligen Mitgliedern von Eis und diversen anderen qualitativen Akts zusammengefunden hat und nun mit ihrem ersten Output vor der Tür steht.
Die Formation um Fronter KG Cypher lässt pünktlich zur ersten Winterkälte das Debüt „The Initial Frontier Pt. 1“ auf die Hörerschaft los. Diese dürfte recht breit gefächert sein da sich eine amtliche Elementvielfalt im Sound der Bielefelder bündelt. Facetten des Black Metals machen sich ebenso bemerkbar wie atmosphärische Passagen in bester Doom-Manier und melodiöses Death Metal Spiel á la altes Dark Tranquillity. Indes agieren die Musiker technisch versiert und zeigen sich von einer dynamischen Seite welche von Double-Bass getriebenem Heavy-Sound bis zu besinnlichen, ruhigen und melancholischeren Momenten reicht. Die Bezeichnung als Avantgarde Metal hat sich das Sextett im Übrigen auch nicht selbst auferlegt, hierfür macht sich das Label verantwortlich.
Sechs Titel zieren den musikalischen Inhalt dieses Rundlings, wobei - dem kurzen Intro mal ausgenommen – sich die Länge der Stücke durchweg im 10-Minuten Bereich aufhält, was der Spannung trotz simpler Songstrukturen keinen Abbruch tut. Die erste Hörerfahrung gestaltet sich durch das recht stetige Klangbild leicht eintönig, der Eindruck entfernt sich jedoch mit zunehmender Vertiefung in die Materie. Es kristallisiert sich in diesem Zuge auch hörbar heraus dass die Arrangements für ein sehr sinnvolles und erwachsenes Songwriting sprechen. So entfacht man hier eine atmosphärische Wirkung durch das intelligente Zusammenspiel der einzelnen Instrumente. Die Soundteppiche des Keyboards sind durchweg dezent gesetzt, die Gitarren agieren dominant aber stimmig, das Schlagzeug befasst sich mit dem Wesentlichen und sichert so die durchschlagskräftigen Grundfesten, wobei auch der Bass diese kraftvollen Akzente unterstreicht, dabei jedoch nie aufdringlich wird und dennoch die Charme tiefer Intensität versprüht. Kurzum bieten Vyre hier ein anspruchsvoll düsteres und sphärisches Gesamtes, welches nie überladen wirkt und somit jederzeit die Bühne für das vielschichtige Organ von KG Cypher frei macht, instrumental allerdings ebenso überzeugen und bestechen kann.
Insbesondere der böse melancholische Titeltrack „The Initial Frontier“, das dramatische - sich zu einem berauschenden Gefühlssturm aufbrodelnde - „Digital Dreams“ und das Deutsch gesungene Schlussstück „Miasma“ können die betörenden Eigenschaften der Band gut verkörpern und treiben mit ihrer schauerlich harmonischen und leidenschaftlichen Stimmung wahrhaftig den Geist nächtlicher Dunkelheit in das Gehör jedes düster veranlagten Gemüts.
Wer also vorhat sich in Bälde dem kalten Winter bei einem Spaziergang durch verschneite Wälder hinzugeben, dem möchte ich dafür dieses Debüt wärmstens an Herz legen. Originell ist etwas anderes, doch haben Vyre diesen Rundling hörbar gut und mit viel Seele und Gefühl fabriziert. Die Truppe bekräftigt hier ihr Können und sorgt mit „The Initial Frontier Pt. 1“ für gute 50 Minuten qualitativ hochwertigen Düstergenuss. Wirklich greifbar wird dieser besonders wenn man sich mal ein wenig in das Schaffen des Sechsers eingehört hat.
Schlussendlich: Ein gelungenes Debüt, welches schon Vorfreude auf den zweiten Teil macht – vorgesehen für 2014!
Review von Valentin