Der Schatz im Silbersee erschien erstmals Ende des 19. Jahrhunderts als Fortsetzungsgeschichte in einer Zeitschrift. Doch dass die Handlung bis heute nichts von ihrer Faszination verloren hat, zeigt sich in der Geschichte „Das Geheimnis vom Silbersee“. Wie im ersten Teil der neuen Winnetou Trilogie, so haben die Autoren auch in diesem Teil die historische Filmvorlage von 1962 als Grundlage für ihre Geschichte des verrückten Mexikaner-Bosses El Màs Loco genommen. Schon damals hatte Drehbuchautor Harald G. Petersson die Romanvorlage für den Film abgewandelt. Jan Berger und Heiko Martens (Hörspieldrehbuch) haben die Geschichte von Winnetou und seinem Blutsbruder Old Shatterhand so adaptiert, dass durchaus ein neues Abenteuer und nicht bloß ein lauer Abklatsch entstanden ist. Und dennoch gibt es für den Karl May Fan ausreichend Wiedererkennungspotential.
Loco und seine Bande überfallen die Apachen im Morgengrauen und nehmen Nscho-Tschi als Geißel. Karl May, der Nscho-Tschi zuvor abgewiesen hatte, war mittlerweile in die Welt der weißen Siedler zurückgekehrt. Doch das Greenhorn von Einst fühlt sich in dieser Welt zunehmend unwohl, so dass der Besuch von Sam Hawkins wie eine Befreiung wirkt. Als Old Shatterhand bricht May auf, um seinen Blutsbruder zu befreien. Gemeinsam nehmen sie die Verfolgung der Gangster auf. Diese befinden sich auf dem Weg zum Silbersee, wo der legendäre Schatz der Apachen lockt.
Abermals überzeugen Wotan Wilke Möhring (Old Shatterhand) und Milan Peschel (Sam Hawkins) als Sprecher und auch Christian Rode gibt einen überzeugenden Erzähler. Lediglich mit Nik Xhelilaj als Winnetou werde ich nach wie vor nicht richtig warm, da er zeitweise schwer verständlich ist.
„Das Geheimnis vom Wörtersee“ ist eine gelungene Umsetzung der Neuverfilmung als Hörspiel. Die Geschichte ist neu genug, um nicht zu langweilen und doch traditionell genug, um einen gewissen Karl May Nostalgiefaktor zu haben. Winnetou und Old Shatterhand sind im 21. Jahrhundert angekommen!