Yashin - The Renegades
So kommt es dann zu der einzigartigen musikalischen Mischung, die selbst die aktuelle Veröffentlichung der überall abgefeierten BRING ME THE HORIZON im Hinblick auf Kreativität, Innovationsfahigkeit und Genreübergriff in den Schatten stellt. Bestes Beispiel dafür ist das nachdenklich-sphärisch, aber durchaus auch energetisch und verhalten optimistisch daherkommende 'Vultures', das eindeutig aus der Alternative-Rock-Ecke kommt. Das Händchen für unter die Haut gehende Melodien stellt zudem 'Mocking Bird' unter Beweis, eine ruhige, kurze und überaus melancholische Feuerzeughymne inklusive emotionaler weiblicher Vocals. Hammer!
Programmatisch für die gelungene Melange aus Rock und Metalcore-Elementen stellt zum Beispiel der Track 'Stockholm Sinner' dar, der zunächst im dynamischen, intellektuellen, vielschichtigen College-Punk-Gewand im Stile der frühen JIMMY EAT WORLD daherkommt, ehe das orkanartige Finale hereinbricht. Für die Vielseitigkeit zeichnen sich natürlich auch die beiden Manner hinter den Mikros verantwortlichen, so dass sich unterschiedliche Klargesänge, Shouts bis hin zu Growls abwechseln, die dann auch vermeintlich einfachen punkigen Gute-Laune-Hymnen wie 'Long Live Salvation' eine ungemeine Intensität und Tiefe verleihen.
Sperriger und kantiger ist dann schon 'Play Me', ein quirliges Charakterbündel, das zudem durch seine groovigen Riffs, seine Tempowechsel und die auch in anderen Songs anzutreffenden choralen Grölpartien zu überzeugen weiß, wohingegen der Rausschmeißer aufgrund seiner elektronischen Dominanz von einem ganz anderem Kaliber, aber eines letzten Albumtracks mehr als würdig ist. Daneben gibt natürlich auch noch das hitverdächtige 'The Beginning Of The End', das vor allem durch seine brutalen, infernalen Partien zu bestechen weiß, Gleiches gilt für 'Dorothy Gale', ein Song, der darüber hinaus von seiner martialischen Epik lebt. Weltklasse, ebenso wie 'D.E.A.D.' Wem da phasenweise BULLET FOR MY VALENTINE in den Sinn kommen, liegt vielleicht gar nicht so falsch.
Fazit: Die Schotten bewegen sich auf ihrem nunmehr dritten Longplayer gekonnt im Spannungsfeld von kreativem, innovativem und modernen Alternative, Rock und Punk auf der einen Seite sowie Metal- und Postcore auf der anderen Seite. Das Ergebnis kann ein wenig als Melange aus JIMMY EAT WORLD und BRING ME THE HORIZON mit einer gehörigen Portion von Leidenschaft, Pathos und Emotionalität beschrieben werden, inklusive übelst brutaler Infernalität und himmlischer Leichtigkeit. Unbedingt reinhören und kaufen!